Berenberg hat heute das Kursziel für DSM-Firmenich von 95 auf 110 Euro angehoben, bleibt aber bei der Empfehlung „Halten“. Die Analysten würdigen solide Quartalszahlen. Zugleich bezweifeln sie, dass das langfristige Wachstum die Bewertung rechtfertigt. Das höhere Kursziel ist damit kein uneingeschränktes Vertrauensvotum.

Die Unterscheidung ist für Anleger wichtig: Berenberg beurteilt die operative Entwicklung positiv, sieht aber Grenzen für weitere Bewertungsaufschläge. Den bisherigen Kursanstieg führt das Haus vor allem auf eine Sektorrotation zurück. Damit rückt weniger die jüngste Prognoseanhebung als deren langfristige Tragfähigkeit in den Mittelpunkt.

Höheres Kursziel, unveränderte Zurückhaltung

Berenberg hält eine Bewertung von mehr als dem 15-Fachen des für 2027 erwarteten EBITDA für fragwürdig. Langsames Bevölkerungswachstum und Abnehmmedikamente könnten das Umsatzwachstum nach Einschätzung des Hauses an das untere Ende des Unternehmensziels von 5–7% begrenzen.

Diese Einwände betreffen nicht allein das jüngste Quartal. Sie stellen vielmehr die Frage, wie viel dauerhaftes Wachstum Anleger dem Unternehmen zugestehen sollten. Eine bessere kurzfristige Geschäftsentwicklung räumt solche strukturellen Vorbehalte nicht automatisch aus.

Die Aktie gewinnt heute 3,7% und notiert bei 112,00 €. Damit liegt sie bereits über dem angehobenen Berenberg-Kursziel. Die positive Tagesreaktion und die zurückhaltende Empfehlung stehen also nebeneinander: Der Markt bewertet das Papier höher als das Analysehaus.

Parfümerie stark, US-Nachfrage schwächer

Die gestern veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal 2026 zeigen bei den fortgeführten Aktivitäten ein Umsatzwachstum auf vergleichbarer Basis von 5%. Der Umsatz erreichte 2,37 Milliarden Euro.

Alle fortgeführten Divisionen wuchsen organisch. Berenberg hebt besonders die starke Entwicklung bei Parfümerie und Kosmetik hervor. Im Bereich Taste, Texture & Health belastete dagegen die schwache US-Nachfrage den Gewinn. Das Wachstum innerhalb des Konzerns verteilt sich somit nicht gleichmäßig.

Das bereinigte EBITDA erreichte 482 Millionen Euro und stieg auf vergleichbarer Basis um 8%. Die bereinigte EBITDA-Marge betrug 20,4%.

Das Ergebniswachstum übertraf damit das Umsatzwachstum auf vergleichbarer Basis. Die Zahlen stützen Berenbergs Urteil eines soliden Quartals. Die Schwäche im US-Geschäft von Taste, Texture & Health bleibt jedoch ein konkreter Gegenpunkt zur starken Parfümerieentwicklung.

Umbau bleibt Teil der Bewertung

Parallel zur operativen Entwicklung steht der vereinbarte Verkauf des verbleibenden Geschäfts von Animal Nutrition & Health an CVC an. Der Abschluss wird bis Ende 2026 erwartet. DSM-Firmenich soll eine Beteiligung von 20% behalten.

Die zum Verkauf stehende Sparte wird als aufgegebene Aktivität separat ausgewiesen und ist nicht in der Wachstumsprognose enthalten. Für die Bewertung des Ausblicks ist diese Abgrenzung entscheidend: Maßgeblich ist die Entwicklung der fortgeführten Geschäfte.

Berenbergs Urteil setzt deshalb einen klaren Akzent. Solide Ergebnisse und ein höheres Kursziel sprechen für operative Fortschritte. Für eine Kaufempfehlung reichen sie dem Haus angesichts der Bewertung und seiner längerfristigen Wachstumsvorbehalte nicht.