Kurz vor dem Halbjahresbericht tobt bei DWS ein Duell zwischen zwei Lagern. Die einen sehen die nächste Kursstufe, die anderen warnen vor einer Verschnaufpause. Der Kurs notiert bei 71,55 Euro, nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 71,95 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie über 26 Prozent zugelegt.
Die entscheidende Frage: Woher kommt das Geld?
Der Vermögensverwalter legt in dieser Woche im Juli 2026 seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Im ersten Quartal flossen dem Konzern netto 11,0 Milliarden Euro an neuen Geldern zu, Cash-Produkte eingerechnet. Entscheidend wird sein, ob dieser Trend anhält.
Noch wichtiger ist die Herkunft des Kapitals. Fließt das Geld vor allem in margenschwache Passiv-Produkte, bleibt die Rentabilität unter Druck. Ziehen dagegen auch aktive Fonds wieder Kapital an, spricht das für stabilere Margen.
Bullisches Szenario: Rekord-Vermögen und höhere Kursziele
Für die Optimisten sprechen klare Fakten. Das verwaltete Vermögen erreichte im ersten Quartal mit 1.093 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Starke Nachfrage nach den Xtrackers-ETFs und günstige Wechselkurse trieben diesen Anstieg.
Morgan Stanley traut der Aktie mehr zu und hob das Kursziel auf 77,50 Euro an. Auch strategische Schritte wie die Beteiligung an der NIAIF und Investments in Infrastruktur stützen die Wachstumsstory. Das Management selbst peilt für 2026 ein Gewinnwachstum je Aktie von 10 bis 15 Prozent an.
Bestätigen die Zahlen dieses Tempo, könnte die Aktie über die Marke von 72,00 Euro ausbrechen. Das wäre der nächste Schritt nach oben.
Bärisches Szenario: Überkauft und unter Kostendruck
Die Skeptiker verweisen auf die Charttechnik. Mit einem RSI von 69,8 nähert sich die Aktie der überkauften Zone. Nach der Rallye von rund 12 Prozent in nur 30 Tagen wächst die Gefahr von Gewinnmitnahmen.
Goldman Sachs bleibt vorsichtig und nennt ein Kursziel von 60,00 Euro. Die Bank warnt vor einer Normalisierung der Mittelzuflüsse nach dem starken Lauf der vergangenen Monate.
Auch die Kostenseite bleibt ein Risiko. Die Aufwand-Ertrag-Relation verbesserte sich im ersten Quartal zwar auf 54,1 Prozent. Allerdings könnten steigender Wettbewerb im ETF-Geschäft und nötige IT-Investitionen die Margen wieder belasten.
Bleiben die Zahlen hinter den hohen Erwartungen zurück, droht ein Rücksetzer. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 64,37 Euro gilt dabei als erste Auffanglinie.
Ausblick: Entscheidung im Juli
Die Richtung für die kommenden Monate entscheidet sich am Berichtstermin im Juli 2026. Ein nachhaltiger Schlusskurs über dem Rekordhoch von 71,95 Euro würde den Weg für weitere Gewinne öffnen.
Scheitert die Aktie an dieser Marke, könnte eine Konsolidierung folgen. Die Zone um den 100-Tage-Durchschnitt bei 60,73 Euro würde dann als wichtige Unterstützung dienen.
Neben den Zahlen selbst dürfte der Markt genau prüfen, ob DWS die im Januar gesteckten Mittelfristziele bis 2028 bekräftigt. Auch Berichte über eine mögliche Neuausrichtung des Markenauftritts im institutionellen Geschäft dürften in den kommenden Wochen Beachtung finden.
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