Der Essener Energiekonzern feiert das beste operative Ergebnis seit zehn Jahren und kündigt massive Investitionen in den Netzausbau an. Gleichzeitig drückt das Management bei der Prognose für das laufende Jahr auf die Erwartungsbremse. Der Grund dafür liegt jedoch nicht im eigenen operativen Geschäft, sondern auf dem Schreibtisch der Bundesnetzagentur.

Das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 lief für E.ON nach Maß. Mit einem bereinigten operativen Gewinn (EBITDA) von 9,8 Milliarden Euro erreichte das Unternehmen das obere Ende der eigenen Zielspanne. Den größten Beitrag steuerte das Netzgeschäft bei, an das ein Großteil der deutschen Wind- und Solaranlagen angeschlossen ist. Anleger honorierten diese Stärke am Freitag prompt: Der Kurs kletterte um drei Prozent und markierte bei 19,89 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Damit summiert sich der Wertzuwachs seit Jahresbeginn auf knapp 21 Prozent.

Milliarden für den Netzausbau

Um dem wachsenden Druck durch erneuerbare Energien und stromhungrige Rechenzentren zu begegnen, weitet der Konzern seine Ausgaben deutlich aus. Bis zum Jahr 2030 sollen 48 Milliarden Euro fließen. Allein 40 Milliarden Euro sind dabei für den Ausbau und die Digitalisierung der Verteilnetze reserviert. Diese Summe liegt fünf Milliarden Euro über der bisherigen Planung. Das Management peilt durch diese Kapazitätserweiterungen bis zum Ende des Jahrzehnts ein EBITDA von 13 Milliarden Euro an.

Die Bundesnetzagentur als Unsicherheitsfaktor

Trotz der langfristigen Wachstumspläne fällt der Ausblick für 2026 verhaltener aus. E.ON rechnet für das laufende Jahr mit einem leichten operativen Rückgang auf 9,4 bis 9,6 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür sind vor allem ausstehende Entscheidungen der Bundesnetzagentur über die künftigen Verzinsungssätze für das eingesetzte Kapital. Diese Vorgaben diktieren direkt die Rendite der geplanten Milliarden-Investitionen im regulierten Kerngeschäft.

Konzernchef Leonhard Birnbaum machte bei der Bilanzvorlage deutlich, dass weitere Ausweitungen des Investitionsprogramms an eine verbesserte Eigenkapitalverzinsung geknüpft sind. Ohne klare regulatorische Rahmenbedingungen und entsprechende Transparenz werde das Unternehmen keine zusätzlichen Mittel freigeben.

Erste konkrete Hinweise, ob die neuen Vorgaben der Regulierungsbehörde die ehrgeizigen Langfristziele stützen, liefert der nächste Quartalsbericht am 13. Mai 2026. Zuvor erhalten Aktionäre noch die jährliche Dividendenausschüttung, für die der Ex-Tag auf den 24. April terminiert ist.