Eiger BioPharmaceuticals hat sein Chapter-11-Verfahren abgeschlossen. Für Altaktionäre ist das die eigentliche Überraschung: In der Biotech-Liquidation geht am Ende nicht nur alles an Gläubiger. Ein Teil des Erlöses kann sogar bei den Anteilseignern landen.

Der Fall ist ungewöhnlich. Die Gesellschaft hat ihre wichtigsten Vermögenswerte verkauft, die Schulden bereinigt und die Liquidation am 30. September 2024 wirksam werden lassen. Der US-Bankruptcy Court in Nordtexas hatte den Plan bereits am 5. September bestätigt.

Verkauf der Kernwerte

Den größten Betrag brachte Zokinvy ein. Das Mittel gegen seltene Stoffwechselerkrankungen ging für netto 45,2 Millionen Dollar an Sentynl Therapeutics. Avexitide wechselte für rund 35,1 Millionen Dollar zu Amylyx Pharmaceuticals. Weitere Vermögenswerte, darunter Lonafarnib- und Peginterferon-lambda-Rechte, erzielten zusammen 6,2 Millionen Dollar.

In Summe kamen damit brutto etwa 80,3 Millionen Dollar zusammen. Das ist für ein Scheitern im Biotech-Sektor ein ordentliches Liquidationsergebnis. Besonders, weil die Verkäufe im Rahmen eines Bieterverfahrens zustande kamen und das Gericht sie im August genehmigte.

Gläubiger voll bezahlt

Mit dem Wirksamwerden des Plans wurden alle ausstehenden Stammaktien eingezogen. Wer die frühere Eiger-Aktie hielt, kann noch einen Anteil aus einem bestehenden Recovery-Pool erhalten, falls dort Geld verfügbar ist.

Entscheidend ist der Rest der Abwicklung. Besicherte Gläubiger wurden vollständig bezahlt. Auch unbesicherte Gläubiger erhielten ihr Geld samt Zinsen zurück. Genau das öffnet überhaupt erst die Tür für eine Ausschüttung an Aktionäre. In Biotech-Liquidationen passiert das selten.

Warum der Absturz kam

Der Weg in die Insolvenz war schnell und klar. Eiger hatte am 1. April 2024 Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Zuvor hatten regulatorische und klinische Rückschläge das Geschäftsmodell ausgehöhlt.

Die FDA lehnte bereits im September 2022 einen Antrag auf Notfallzulassung für Peginterferon lambda ab. Ein Jahr später stoppte das Unternehmen die Phase-3-Studie LIMT-2 wegen Sicherheitsbedenken. Damals standen rund 38,8 Millionen Dollar an Vermögenswerten 53,1 Millionen Dollar an Verbindlichkeiten gegenüber.

Nach dem Abschluss des Verfahrens will Eiger eine Form 15 bei der US-Börsenaufsicht einreichen. Damit würden die laufenden Berichtspflichten ausgesetzt.