Das Auslandsgeschäft treibt e.l.f. Beauty zu kräftigem Wachstum: Der gestern veröffentlichte Quartalsumsatz stieg um 51%, international betrug das Plus sogar 165%. Die Expansion von Rhode über Sephora unterstützt den höheren Jahresausblick. Für Anleger zählt allerdings auch die Kehrseite: Der weitere Ausbau im stationären Handel dürfte laut Unternehmen die Margen belasten.

Die Ergebnisse zeigen damit mehr als einen kurzfristigen Verkaufserfolg. e.l.f. Beauty gewinnt außerhalb der USA deutlich an Geschäft, muss für die nächste Wachstumsphase aber zusätzliche Belastungen einplanen.

Rhode öffnet weitere Märkte

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte e.l.f. Beauty einen Umsatz von 520,8 Mio. US-Dollar. Die von LSEG erfassten Analysten hatten 470,3 Mio. US-Dollar erwartet. Das Wachstum kam laut Unternehmen sowohl aus dem Einzelhandel als auch aus dem E-Commerce.

Besonders wichtig ist dabei der Zugang zu neuen Kunden. Rhode startete im September bei Sephora in 19 europäischen Ländern. Laut dem von Glossy zitierten CEO war dies Sephoras bislang größter Markenstart. Finanzchefin Mandy Fields sagte Reuters zufolge, dass 75% der Rhode-Follower außerhalb der USA lebten.

Diese internationale Reichweite bietet Ansatzpunkte für weiteres Wachstum. Entscheidend ist, ob sich die Aufmerksamkeit für Rhode auch über den Verkaufsstart hinaus in Nachfrage übersetzt. Das bestehende US-Geschäft wächst ebenfalls weiter und bildet damit einen zweiten Wachstumsträger.

Dort legte der Quartalsumsatz um 25% zu. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte konzernweit 1,21 US-Dollar und übertraf die Erwartung von 0,60 US-Dollar deutlich.

Höherer Ausblick nach starkem Quartal

Die Kombination aus Umsatzwachstum und höherem bereinigtem Ergebnis veranlasste e.l.f. Beauty zu einer Anhebung der Jahresprognose. Der neue Ausblick signalisiert Zuversicht, obwohl das Management für die zweite Geschäftsjahreshälfte ein langsameres Wachstum erwartet.

Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet das Unternehmen nun mit einem Umsatzplus von 22–24% statt bislang 18–20%.

Die angehobene Prognose beschränkt sich nicht auf den Umsatz. Auch beim bereinigten Ergebnis setzt die Unternehmensführung höhere Ziele. Das ist für Anleger wichtig, weil zusätzliche Erlöse nicht automatisch einen entsprechenden Gewinnzuwachs bedeuten.

Der bereinigte Gewinn je Aktie soll 3,82–3,86 US-Dollar erreichen, nach zuvor erwarteten 3,50–3,55 US-Dollar. Beim bereinigten EBITDA liegt die neue Zielspanne bei 421–427 Mio. US-Dollar.

Wachstum hat seinen Preis

Die starke bereinigte Gewinnentwicklung darf den Blick auf die ausgewiesenen Ergebnisse nicht verstellen. Reuters berichtete, dass der Nettogewinn hinter den Erwartungen zurückblieb. Zugleich fiel der Vertriebs- und Verwaltungsaufwand höher aus als von Analysten angenommen.

Die Bruttomarge verbesserte sich auf 71%, ein Anstieg um 160 Basispunkte. Dennoch erwartet e.l.f. Beauty Margendruck, wenn Rhode in weitere stationäre Filialen expandiert.

Hinzu kommt ein Sondereffekt: Zollrückerstattungen unterstützten Marketing und Preissenkungen. Nach dem Reuters-Bericht dürfte das dadurch erhöhte Marketingniveau im Folgejahr nicht unverändert fortbestehen. Für die Bewertung der Wachstumsdynamik ist deshalb wichtig, wie sich die Nachfrage ohne diese zusätzliche Unterstützung entwickelt.

An der Börse überwiegt zunächst die Zuversicht: Die Aktie gewinnt vorbörslich 5,6%. Der operative Maßstab für die kommenden Quartale ist jedoch anspruchsvoller als ein erfolgreicher Markenstart: e.l.f. Beauty muss die internationale Expansion in dauerhaft profitables Wachstum übersetzen.