Zwei Entwicklungen prägen diese Woche beim Pharmariesen Eli Lilly. Das Unternehmen kauft sich über eine milliardenschwere Partnerschaft Zugang zu einer neuen RNA-Technologie. Gleichzeitig eskaliert ein jahrelanger Rechtsstreit um staatliche Rabattprogramme – mit einem Ultimatum.

Expansion ins RNA-Editing

Die Zusammenarbeit mit Ascidian Therapeutics zielt auf RNA-Exon-Editing zur Behandlung von Nierenerkrankungen ab. Das Potenzial der Vereinbarung liegt bei bis zu 1,9 Milliarden Dollar, verteilt auf Vorauszahlungen und Meilensteine.

Ascidian übernimmt die frühe Forschung und präklinische Entwicklung. Eli Lilly steigt später in die klinische Prüfung und Vermarktung ein. Der Deal reiht sich ein in eine Serie aggressiver Zukäufe: Das Management hat für 2026 bereits acht Übernahmen und Partnerschaften mit einem Gesamtvolumen zwischen 10 und 25 Milliarden Dollar angekündigt. Finanziert wird die Expansion aus den Milliardenerlösen der GLP-1-Medikamente Mounjaro und Zepbound.

Ultimatum verärgert Kliniken

Im Streit um das bundesweite 340B-Rabattprogramm verschärft Eli Lilly den Ton. Krankenhäuser müssen bis zum 8. Juni vollständige Daten zu ihren Bezügen vorlegen. Andernfalls verlieren sie die vergünstigten 340B-Preise.

Lillys Begründung: Die jüngsten Gerichtsentscheidungen des 3rd Circuit und des DC Circuit bestätigen das Recht der Pharmaunternehmen, solche Daten zu verlangen. Die American Hospital Association wirft Lilly hingegen einen Verstoß gegen Bundesrecht vor.

Bislang haben rund 70 Prozent der 2.350 teilnehmenden Einrichtungen die Daten geliefert. Fast 1.000 Kliniken verweigern die Herausgabe. Das könnte zu einer Welle von Preisausschlüssen führen.

Klinische Daten im Juni

Parallel dazu steht eine Reihe von Studienergebnissen an. Nach den Phase-3-Daten für Retevmo auf der ASCO-Konferenz rückt nun die Hämatologie in den Fokus.

Auf dem EHA-Kongress Mitte Juni präsentiert Lilly die BRUIN-CLL-322-Studie. Sie testet Jaypirca (Pirtobrutinib) in Kombination mit Venetoclax und Rituximab. Hinzu kommen Phase-1-Daten aus akquirierten Programmen gegen Myelofibrose und Multiples Myelom.

Starke Zahlen, hohe Bewertung

Die fundamentale Entwicklung bleibt beeindruckend. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 55,5 Prozent auf 19,8 Milliarden Dollar. Zepbound legte um 80 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar zu. Das Oral-Präparat Foundayo (Orforglipron) kommt ebenfalls gut an.

Die Aktie notiert aktuell bei 917,40 Euro – nur 6,9 Prozent unter dem Rekordhoch von 985 Euro aus der Vorwoche. Der RSI liegt bei 94,6 Punkten, ein klares Zeichen für eine überhitzte Kursentwicklung. Analysten bewerten die Aktie im Schnitt mit „Moderate Buy“ und einem Kursziel von umgerechnet rund 1.220 Euro. Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt nahe der Billionen-Dollar-Marke.

Der Streit um die 340B-Rabatte könnte für zusätzliche Unsicherheit sorgen. Am 8. Juni läuft die Frist ab – spätestens dann zeigt sich, ob die Kliniken nachgeben oder ob der Konflikt vor Gericht eskaliert.