Der US-Pharmakonzern Eli Lilly steht vor der Veröffentlichung seiner Ergebnisse für das zweite Quartal am 5. August. Im Fokus der Anleger steht dabei insbesondere die mögliche Anhebung der Prognose für das Gesamtjahr. Während das Unternehmen sein Kerngeschäft mit Adipositas-Medikamenten weiter ausbaut, signalisieren jüngste Übernahmen den Einstieg in ein neues Geschäftsfeld.

Analysten erwarten Anhebung der Jahresprognose

Die Erwartungen am Markt sind hoch gesteckt. Die Analysten von Goldman Sachs prognostizieren für das abgelaufene Quartal einen Umsatz von 20,8 Milliarden US-Dollar sowie einen bereinigten Gewinn von 5,83 US-Dollar je Aktie. Ein entscheidender Faktor für die Kursentwicklung dürfte die Aktualisierung der Jahresprognose sein. Bisher stellt Eli Lilly einen Jahresumsatz zwischen 83 und 85 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Goldman Sachs hält jedoch eine Anhebung auf 86,1 Milliarden US-Dollar für wahrscheinlich.

Das Papier von Eli Lilly notiert derzeit bei 1.053,20 € und konnte seit Jahresbeginn bereits um 14,75 % zulegen. Damit bewegt sich der Kurs mit einem Abstand von nur 3,82 % knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch. Getrieben wird diese Entwicklung maßgeblich vom Erfolg des Medikaments Mounjaro, dessen Umsatz außerhalb der USA für das zweite Quartal auf 4,95 Milliarden US-Dollar geschätzt wird – dies läge etwa zehn Prozent über den bisherigen Markterwartungen.

Strategische Diversifizierung durch Milliarden-Zukäufe

Parallel zum Erfolg in der Adipositas-Therapie investiert Eli Lilly massiv in die Diversifizierung seines Portfolios. Das Unternehmen übernimmt für insgesamt bis zu 3,83 Milliarden US-Dollar drei Spezialisten für Impfstoffe. Die Zukäufe umfassen Curevo Inc., einen Entwickler von Gürtelrose-Vakzinen, LimmaTech Biologics sowie die Vaccine Company. Finanziert werden diese Akquisitionen durch die hohen Cashflows aus dem Geschäft mit Abnehmpräparaten.

Ziel dieser Strategie ist es, eine führende Position bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten einzunehmen. Neben dem Gürtelrose-Impfstoff sichert sich Eli Lilly damit Zugriff auf Projekte gegen Bakterien wie Staphylokokken sowie gegen das Epstein-Barr-Virus. Diese Expansion wird von Marktbeobachtern als wichtiger Schritt gewertet, um die Abhängigkeit von den GLP-1-Blockern langfristig zu verringern.

Herausforderungen bei Pipeline und Rechtsprechung

Trotz der starken Marktposition sieht sich Eli Lilly mit regulatorischen und juristischen Hürden konfrontiert. Für die Abnehm-Pille Foundayo, die im April die Zulassung erhielt, forderte die US-Gesundheitsbehörde FDA zusätzliche Langzeit-Sicherheitsdaten an. Die Behörde verlangt eine Beobachtung über 15 Jahre, um seltene Risiken wie Schilddrüsenkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auszuschließen. Goldman Sachs schätzt den Umsatz von Foundayo im zweiten Quartal auf lediglich 40 Millionen US-Dollar, was deutlich unter dem Konsens von 100 Millionen US-Dollar liegt.

Zudem verzögert sich der Zulassungsantrag für den Hoffnungsträger Retatrutide auf das erste Quartal 2027. Das Medikament zeigte in klinischen Studien der Phase 3 bei Patienten mit schwerer Adipositas einen Gewichtsverlust von bis zu 22,6 %. Analysten von TD Cowen trauen dem Präparat bis zum Jahr 2030 einen Umsatz von 3,8 Milliarden US-Dollar zu. Unterdessen belastet ein Rechtsstreit mit dem Konkurrenten Novo Nordisk die Stimmung. Das dänische Unternehmen hat eine einstweilige Verfügung gegen Werbeaktivitäten von Eli Lilly beantragt, da diese als irreführend eingestuft werden. Beide Konzerne buhlen derzeit verstärkt um Senioren, nachdem ein Medicare-Programm seit Juli monatliche Zuzahlungen auf 50 US-Dollar begrenzt.