Der US-Pharmakonzern Eli Lilly bereitet im Adipositas-Markt die nächste Welle klinischer Daten vor. Am 30. September stellt das Unternehmen auf dem EASD-Symposium Ergebnisse der Phase 2 für die Wirkstoffkombination eloraTZP vor, die Eloralintide mit Tirzepatid verbindet. Die Präsentation rückt neue Therapieansätze in den Fokus, während der Konzern seine Marktposition im Stoffwechselbereich gegen die Konkurrenz verteidigen will.

Im deutschen Handel notiert das Papier nach dem Handelsschluss am Freitag bei 1.003,60 Euro und liegt damit 9,1 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt. Auf Sicht von zwölf Monaten verzeichnet die Aktie ein Kursplus von 55 Prozent.

Milliardengeschäft mit Tirzepatid und neue Kombinationen

Die Basis für die Bewertung bildet das Geschäft mit den etablierten Tirzepatid-Präparaten. Mounjaro und Zepbound erzielten im zweiten Quartal zusammen einen Umsatz von 14,87 Milliarden US-Dollar, wobei Mounjaro im Jahresvergleich um 91 Prozent zulegte. Für das Gesamtjahr peilt Eli Lilly Erlöse in einer Spanne von 85,0 bis 87,0 Milliarden US-Dollar an.

Mit eloraTZP erprobt das Unternehmen nun die Kombination zweier Mechanismen in einer Behandlung. Ziel der Entwicklung ist es, Gewichtsverlust und Stoffwechselkontrolle über das Potenzial von Tirzepatid allein hinaus zu erweitern. Analysten schätzen das Gesamtvolumen des US-Marktes für Adipositastherapien bis zum Jahr 2030 auf über 100 Milliarden US-Dollar jährlich.

Expansionskurs bei oralen Darreichungsformen

Parallel zu den Injektionspräparaten verschärft sich der Wettbewerb um Tabletten. Schätzungen von Branchenbeobachtern zufolge dürften orale GLP-1-Medikamente bis 2030 mehr als ein Drittel der gesamten Verschreibungen im Adipositas-Segment ausmachen. Eli Lilly verzeichnete zuletzt mit dem Wirkstoff Foundayo einen Anteil von mehr als 30 Prozent unter den US-Patienten, die neu auf eine orale Therapie eingestellt wurden.

Guggenheim-Analyst Seamus Fernandez erhöhte vor diesem Hintergrund die Umsatzprognosen für Foundayo deutlich: Für 2027 erwartet das Analysehaus nun Erlöse von 1,8 Milliarden US-Dollar statt bislang 1,2 Milliarden US-Dollar. Für 2028 hob Fernandez die Schätzung von 2,4 auf 3,7 Milliarden US-Dollar an.

Schutz der Pipeline gegen Nachahmer

Neben der klinischen Entwicklung sichert Eli Lilly seine Produktkandidaten juristisch ab. Bei der US-Gesundheitsbehörde FDA und dem Justizministerium meldete der Konzern mehr als 200 Organisationen, die nicht zugelassene Peptidkopien vertreiben. Sechs Händler wurden direkt verklagt.

Betroffen ist unter anderem der Wirkstoff Retatrutid, für den Lilly einen Zulassungsantrag für Anfang 2027 plant. Die US-Behörden verschickten Verwarnungen an Händler, die entsprechende Substanzen unter dem Vorwand reiner Forschungszwecke vertrieben hatten. Die Sicherung der Schutzrechte gewinnt für die langfristigen Umsatzperspektiven des Konzerns an Bedeutung.