Eli Lilly drückt im Rennen um den Adipositasmarkt aufs Tempo. Gleich mehrere Meilensteine der vergangenen Wochen stärken die Position gegenüber Novo Nordisk, und die Aktie legte am Freitag zeitweise rund 3,6 Prozent zu.

Kombipräparat übertrifft Zepbound

Im September meldete Lilly Daten zur Kombination EloraTZP, die den Wirkstoff von Zepbound mit dem experimentellen Eloralintid verbindet. Diabetespatienten verloren in der mittleren Studienphase bei höchster Dosis im Schnitt 23,3 Prozent ihres Körpergewichts binnen 48 Wochen. Die Vergleichsgruppe unter Zepbound kam auf 14,8 Prozent.

Eloralintid selbst, ein wöchentlich verabreichter Wirkstoff auf Amylin-Basis, rückt in späte Studien vor. Zuvor hatte er in einer mittleren Studie bis zu 20,1 Prozent Gewichtsverlust erzielt.

Pille holt auf

Besonders wichtig für die Marktanteile ist das Geschäft mit oralen Präparaten. Orforglipron, Handelsname Foundayo, ist die zweite Abnehmpille mit US-Zulassung. Großbritannien erteilte im August als erstes Land Europas die Genehmigung. Im Oktober sprach sich zudem ein Ausschuss der europäischen Arzneimittelbehörde positiv für eine EU-Zulassung aus.

Auf einer Branchenkonferenz im September sagte Lilly, man habe bereits mehr als 30 Prozent der neuen US-Patienten bei oralen Adipositasmitteln gewonnen. Novos Wegovy-Pille hatte zunächst die Nase vorn, der Abstand schmilzt offenbar.

Novo selbst kämpft mit Rückschlägen: CagriSema blieb in zwei Zulassungsstudien hinter den Erwartungen zurück. Die Gewichtsabnahme lag in einer Studie bei 22,7 Prozent statt der erhofften 25 Prozent.

Retatrutid als nächster Hebel

Für 2027 rückt die nächste Generation näher. Retatrutid ließ Patienten in einer Schlüsselstudie über 18 Monate mehr als 28 Prozent ihres Gewichts verlieren. Lilly sieht das Mittel damit reif für eine mögliche Zulassungseinreichung und einen Markstart im kommenden Jahr.

Die Konkurrenz schläft allerdings nicht. Pfizer peilt für sein monatlich zu spritzendes Präparat eine erste Zulassung 2028 an, Roche, Amgen und Viking arbeiten an eigenen Kandidaten. Analysten rechnen für den Sektor im kommenden Jahrzehnt mit rund 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz.

Auch bei Alzheimer bleibt Lilly im Gespräch. Das Antikörpermedikament Kisunla bleibt nach Einschätzung eines von Analysten befragten Neurologen wegen Sicherheitsbedenken (ARIA-Hirnveränderungen) und aufwendiger MRT-Kontrollen hinter Blockbuster-Erwartungen zurück.

Den nächsten Belastungstest liefern die Quartalszahlen am 29. Oktober. Dann zeigt sich, wie stark Foundayo und Zepbound das Wachstum tragen.