Die Aktie von Energiekontor hat einen unangenehmen Meilenstein erreicht: der Kurs fiel unter die 200-Tage-Linie. Was charttechnisch wie ein Warnsignal wirkt, ist die Spitze eines Abwärtstrends, der sich seit Wochen aufbaut.

Am Freitag schloss das Papier bei 36,05 Euro. Das sind 2,70 Prozent weniger als am Vortag und 5,64 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 38,21 Euro. Die 200-Tage-Linie gilt als Indikator für den langfristigen Trend. Wer jetzt ein Bärensignal sieht, hat gute Gründe dafür.

Der Abwärtstrend beschleunigt sich

Die Verluste der vergangenen Tage und Wochen sind deutlich. Auf sieben Tage gerechnet verlor die Aktie 13,55 Prozent. Über 30 Tage summiert sich das Minus auf 22,72 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt der Wert 4,38 Prozent im Minus, auf Jahressicht minus 15,38 Prozent.

Zum Vergleich: das 52-Wochen-Hoch bei 52,40 Euro liegt 31 Prozent über dem aktuellen Kurs. Das 52-Wochen-Tief von 30 Euro ist noch 20 Prozent entfernt. Der RSI auf 14-Tage-Basis zeigt mit 32,2 Punkten eine Tendenz zum überverkauften Bereich. Die Volatilität ist mit fast 50 Prozent hoch.

Operativ läuft es – an der Börse nicht

Das Paradoxe: operative Neuigkeiten gab es zuletzt positive. Energiekontor nahm den Windpark Holtumer Moor in Betrieb. Der Eigenbestand an Wind- und Solarparks stieg auf rund 455 Megawatt. Im Juni startete zudem der Bau des Repowering-Windparks Donstorf.

Das Unternehmen will den Eigenbestand auf über 680 Megawatt ausbauen. Allein zwei Solarparks in Mecklenburg-Vorpommern sollen 113 Megawatt Leistung beisteuern.

All das konnte die Abwärtsbewegung nicht stoppen. Ein Zeichen, dass die negative Kursdynamik inzwischen eine Eigendynamik entwickelt hat. Die fundamentale Story allein reicht nicht – nicht gegen einen klaren charttechnischen Bruch.

Kurz gesagt: die Aktie steckt im Abwärtstrend fest. Der RSI deutet auf eine Übertreibung nach unten. Ob die 200-Tage-Linie bald zurückerobert wird, entscheidet sich in den kommenden Handelstagen. Gelingt das nicht, dürfte der Druck weiter zunehmen.