Der Batteriespezialist Enovix durchlebt turbulente Tage an der Börse. Nachdem der bisherige CEO Raj Talluri das Unternehmen am vergangenen Donnerstag überraschend verlassen hat, reagierten Investoren mit deutlichen Verkäufen. Am heutigen Dienstag notiert das Papier bei 3,15 € und liegt damit 1,6 % im Plus, nachdem es gestern ein neues Jahrestief markiert hatte.

Führungsvakuum und Analysten-Skepsis

Der plötzliche Abgang von Raj Talluri, der zum Halbleiterunternehmen Kulicke & Soffa wechselt, hat das Vertrauen der Marktteilnehmer erschüttert. Interimistisch übernimmt der bisherige Finanzvorstand Ryan Benton die Leitung des Konzerns, während T.J. Rodgers die Rolle des Executive Chairman einnimmt. Benton ist seit April 2025 als CFO für das Unternehmen tätig und verfügt über mehr als 35 Jahre Branchenerfahrung.

Die Reaktion der Analysten ließ nicht lange auf sich warten. Das Analysehaus William Blair stufte die Aktie von „Outperform“ auf „Market Perform“ herab. Die Experten begründeten diesen Schritt mit der Unsicherheit durch den Führungswechsel.

Im Gegensatz dazu hält Cantor Fitzgerald an einer optimistischen Einschätzung fest und bestätigte das Rating „Overweight“ mit einem Kursziel von 25 US-Dollar. Trotz der heutigen Stabilisierung hat die Aktie seit Jahresanfang bereits 51 % an Wert verloren.

Technologische Meilensteine und operative Ziele

Ungeachtet der personellen Veränderungen vermeldete Enovix technologische Fortschritte. Das Unternehmen demonstrierte für seine AI-Smartphone-Zellen eine Lebensdauer von 1.000 Ladezyklen bei Verwendung von 100-prozentigen Silizium-Anoden. Dies gilt als wichtiger Beweis für die Marktreife der Technologie, da frühere Prototypen vor Jahren oft nur zehn Zyklen erreichten.

Die Qualifizierung mit dem Partner Honor wird derzeit priorisiert, zudem sind Muster für einen zweiten Smartphone-Hersteller für das vierte Quartal 2026 geplant.

Operativ fokussiert sich Enovix auf den Ausbau seiner Standorte. Die Aktivitäten in Korea sollen von 40 Millionen auf 100 Millionen US-Dollar erweitert werden.

In Malaysia wurde die Standortabnahme für die neue Produktionslinie abgeschlossen, wobei der Start der Massenproduktion für Smartphones weiterhin für das vierte Quartal 2025 vorgesehen ist. Aktuell notiert der Kurs 4,0 % über seinem gestern erreichten 52-Wochen-Tief, was die fragile Lage am Markt unterstreicht.

Finanzielle Entwicklung und Auftragslage

Die Prognose für das dritte Quartal 2026 wurde von der Unternehmensführung offiziell bestätigt. Erwartet wird ein bereinigter Verlust je Aktie zwischen 0,13 und 0,17 US-Dollar. Im zweiten Quartal belief sich der Umsatz auf 9,02 Millionen US-Dollar, was einer Steigerung von 20,8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Das Nettoergebnis lag mit einem Verlust von 0,13 US-Dollar je Aktie leicht über den Erwartungen der Analysten.

Ein wachsendes Standbein ist das Geschäft mit Drohnen und Verteidigungsanwendungen. Dieser Sektor machte im zweiten Quartal 65 % des Gesamtumsatzes aus. Der Auftragsbestand und die Pipeline in diesem Segment stiegen zuletzt um 41 % auf 183 Millionen US-Dollar.

Zudem konnte Enovix eine erste Bestellung über 50.000 Batterien für den Einsatz in Smart Eyewear verbuchen. Um technische Engpässe beim Laser-Dicing zu umgehen, plant das Management für das Jahr 2027 den Übergang zu mechanischen Verfahren.