Erstmals in der Geschichte von Ethereum ist der Kurs drei Quartale in Folge gefallen. Während Citi seine Erwartungen drastisch zurückschraubt, arbeitet die Ethereum Foundation im Hintergrund am größten technischen Umbau seit dem Merge. Zwei Entwicklungen, die kaum unterschiedlicher sein könnten — und die zeigen, wie weit Kursrealität und Netzwerkfortschritt bei ETH derzeit auseinanderklaffen.

Drei rote Quartale in Serie

Ethereum verlor im vierten Quartal 2025 rund 28 Prozent, im ersten Quartal 2026 weitere 29 Prozent und im zweiten Quartal 2026 nochmals 25 Prozent. Der Kurs notiert aktuell bei rund 1.740 Dollar — 65 Prozent unter dem Allzeithoch von 4.955 Dollar aus dem August 2025. Von einem Mehrmonatstief bei 1.570 Dollar hat sich ETH bereits leicht erholt, unter anderem getrieben durch einen Short Squeeze, der bärische Positionen im Volumen von 281 Millionen Dollar liquidierte und den Kurs um zwölf Prozent nach oben trieb.

Citi reagierte auf die Schwäche mit einer deutlichen Kurszielsenkung: Die Bank strich ihre Zwölf-Monats-Prognose von 3.175 auf 2.240 Dollar zusammen und setzte die erwarteten ETF-Zuflüsse auf null. Als Begründung verwies Citi auf Abflüsse von 529 Millionen Dollar allein im Juni. Im Bärenszenario der Bank käme ETH binnen zwölf Monaten sogar nur noch auf 1.094 Dollar.

Trotz der skeptischen Citi-Einschätzung gab es institutionelle Gegenbewegungen. BlackRocks ETHB-ETF zog an seinem ersten Handelstag 100 Millionen Dollar an, und die neu gestartete Plattform Ethereum Institutional unter Mitgründer Joe Lubin bringt über 500 Bankbeziehungen mit. Die Ethereum Foundation selbst schleuste zudem 4.938 ETH im Wert von 7,86 Millionen Dollar über Lido Finance ins Netzwerk ein.

Sicherheitsarbeit mit KI-Unterstützung

Parallel zur Kursdebatte hat Vitalik Buterin den sogenannten Lean Ethereum Masterplan vorgestellt — einen auf drei bis vier Jahre angelegten Umbau nahezu jeder Kernkomponente des Protokolls. Rekursive Verifikation soll künftig die bisherige Neuausführung jeder Transaktion ersetzen, Quantenresistenz rückt zu einem vorrangigen Protokollziel auf.

Im Zuge dieser Umbaupläne setzt das Protocol Security Team der Ethereum Foundation verstärkt auf KI-Agenten, um kritische Infrastruktur wie Konsensclients und Smart Contracts zu testen. Ein handfestes Ergebnis gibt es bereits: Die Agenten identifizierten eine aus der Ferne auslösbare Schwachstelle in gossipsub, einem Kernbaustein der Peer-to-Peer-Schicht — der Fehler wurde behoben und veröffentlicht. Die Foundation betont zugleich, dass die meisten von den Agenten gemeldeten Kandidaten falsch positiv ausfallen und weiterhin menschliche Prüfung nötig bleibt. Die Sicherheitsarbeit läuft dabei vor dem Hintergrund einer kürzlichen Reorganisation, bei der die Foundation ein Fünftel ihrer Belegschaft abgebaut und eine neue Fünf-Cluster-Struktur eingeführt hat.

Für die Ethereum Prognose bleibt die 50-Tage-Durchschnittslinie bei 1.865 Dollar die nächste Hürde, während der mehrjährige Protokollumbau erst am Anfang steht.