Nach einem Anstieg auf 4,47 Euro am 28. Mai — ein neues 52-Wochen-Hoch — brach die Eutelsat-Aktie am Folgetag um fast zwölf Prozent ein. Seitdem notiert der Kurs bei rund 3,90 Euro. Ein klassisches Muster: Rekord, Profit-Taking, Ernüchterung.
Das Handelsvolumen am Freitag war dabei alles andere als gewöhnlich. Mit 68.049 gehandelten Aktien lag es um 644 Prozent über dem Vortag. Das deutet auf institutionelle Verkäufe hin — kein Wunder, wenn eine Aktie seit Jahresbeginn um fast 118 Prozent gestiegen ist und weit über ihren gleitenden Durchschnitten notiert.
LEO-Wachstum als Fundament
Operativ liefert Eutelsat solide Zahlen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 erzielte das Unternehmen Gesamterlöse von 293 Millionen Euro — ein Plus von 3,1 Prozent auf vergleichbarer Basis. Treiber ist das Konnektivitätsgeschäft: Die Erlöse dort stiegen um 15,3 Prozent auf 155,7 Millionen Euro. Das LEO-Segment legte sogar um 65 Prozent zu.
Konnektivitätsdienste machen inzwischen 55 Prozent der operativen Erlöse aus. Der Umbau vom klassischen Satellitenbetreiber zum Breitbandanbieter schreitet voran.
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Einen konkreten Vertragserfolg liefert die Luftfahrt. Japan Airlines rüstet mehr als 40 Großraumflugzeuge mit einem neuen Inflight-Connectivity-System aus. Das Netz kombiniert GEO- und LEO-Kapazitäten von Eutelsat — Airbus A350-900 und Boeing 787 werden ab Werk damit ausgestattet.
Staatsaufträge und strategische Rolle in Europa
Das Regierungsgeschäft wächst ebenfalls. Die Erlöse dort stiegen im dritten Quartal um 11,8 Prozent auf 50,4 Millionen Euro. LEO-Lösungen in der Ukraine und steigende Nachfrage von Nicht-US-Regierungen treiben das Wachstum. Im vierten Quartal erwartet Eutelsat zusätzliche Impulse: Das NEXUS-Rahmenabkommen mit dem französischen Verteidigungsministerium beginnt dann, Erlöse zu generieren — über eine Laufzeit von zehn Jahren.
Strategisch ist Eutelsat Teil des SpaceRISE-Konsortiums für das EU-Programm IRIS². Eutelsat liefert LEO-Kapazitäten, SES übernimmt die MEO-Satelliten, Hispasat gestaltet das Bodensegment.
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Videogeschäft bremst, Backlog stabilisiert
Auf der Gegenseite schrumpft das klassische Videogeschäft weiter. Die Erlöse sanken im dritten Quartal um 13,3 Prozent — Russland-Sanktionen und der strukturelle Rückgang des GEO-Rundfunks hinterlassen Spuren.
Der Auftragsbestand von 3,4 Milliarden Euro per Ende März 2026 entspricht 2,8 Jahren zukünftiger Erlöse. Konnektivität macht davon bereits 58 Prozent aus. Für das Gesamtjahr hält Eutelsat an seiner Prognose fest: stabile operative Erlöse und ein LEO-Umsatzwachstum von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Ob der RSI von knapp 24 — ein technisch überverkauftes Niveau — eine Stabilisierung einleitet, hängt davon ab, ob die fundamentale Wachstumsstory das Vertrauen institutioneller Investoren zurückgewinnt. Die nächsten Quartalszahlen zum Geschäftsjahresende werden zeigen, ob das 50-Prozent-LEO-Ziel tatsächlich erreicht wird.
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