Die Debatte um eine mögliche Übernahme von Evonik durch BASF hat den Essener Spezialchemiekonzern in das Rampenlicht des Kapitalmarkts gerückt. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der angemessenen Bewertung des Unternehmens, nachdem erste Vorstöße zurückgewiesen wurden.

An der Börse notiert das Papier heute bei 20,60 Euro, was einem leichten Tagesminus von 0,3 Prozent entspricht. Damit bewegt sich der Kurs nur knapp unter dem jüngsten 52-Wochen-Hoch von 20,74 Euro.

Abwehrhaltung nach erstem BASF-Angebot

BASF hatte vor gut einer Woche Sondierungsgespräche über eine Evonik-Übernahme aufgenommen, seither legte die Aktie um 4,0 Prozent zu. Laut Reuters wies Evonik kurz darauf ein von dem Ludwigshafener Chemiekonzern unterbreitetes Angebot von rund 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig zurück. Die Angaben zu der Offerte sowie zur Ablehnung stützen sich auf Personen, die mit den Verhandlungen vertraut sind.

Zuvor hatte Evonik den Eingang einer unverbindlichen Ansprache zu einem möglichen freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot für alle Aktien bestätigt. Das Unternehmen stellte zugleich klar, dass zu jenem Zeitpunkt keine Gespräche stattfanden. Auch BASF bestätigte Sondierungen mit Evonik und der RAG-Stiftung, betonte jedoch ausdrücklich, dass Verlauf und Ergebnis der Gespräche vollkommen offen seien.

RAG-Stiftung öffnet Tür für Verkauf

Eine Schlüsselrolle für das weitere Vorgehen nimmt die RAG-Stiftung ein. Laut Reuters erklärte die Stiftung am 30. September, dass sie ihren gesamten Anteil an Evonik verkaufen könnte. Mit dieser Erklärung signalisierte die größte Anteilseignerin prinzipielle Verhandlungsbereitschaft für den Fall eines finanziell überzeugenden Angebots.

Geteilte Analystenstimmen vor den Quartalszahlen

Am Markt gehen die Meinungen über den fairen Wert der Papiere deutlich auseinander. Medienberichten zufolge hob die DZ Bank am 28. September den fairen Wert für Evonik von 21 auf 22 Euro an. Die Einstufung beließen die Analysten bei „Kaufen“.

Zurückhaltender fiel das Urteil von Deutsche Bank Research aus. Das Analysehaus beließ am Donnerstag seine Einstufung für den Titel auf „Hold“ und setzte das Kursziel bei 18 Euro an. Damit sehen die dortigen Experten nach dem jüngsten Kursanstieg vorerst kaum weiteren Raum für Notierungszuwächse.

Operative Orientierung verspricht der Blick auf die anstehenden Geschäftszahlen. Laut Finanzkalender steht die Veröffentlichung der Quartalsmitteilung für das dritte Quartal 2026 am 3. November 2026 auf der Agenda. Bis dahin dürfte vor allem die Gemengelage aus Übernahmespekulationen und Bewertungsgrenzen das Geschehen prägen.