Der Spezialchemiekonzern Evonik blickt auf ein erfolgreiches zweites Quartal 2026 zurück. CEO Christian Kullmann charakterisierte den Zeitraum als das beste Quartalsresultat der vergangenen vier Jahre. Maßgeblich getrieben wurde diese Entwicklung durch deutliche Zuwächse beim operativen Gewinn und eine verbesserte Cashflow-Situation. Infolge der starken Geschäftsentwicklung hat das Unternehmen die Jahresprognose bereits Ende Juni angehoben.
Umsatz und Ergebnis legen zweistellig zu
Das bereinigte EBITDA stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 24 Prozent auf 630 Millionen Euro. Gleichzeitig kletterte der Konzernumsatz um elf Prozent auf knapp 3,9 Milliarden Euro. Dieses Wachstum resultierte aus einer Kombination aus höheren Verkaufsmengen und gestiegenen Preisen, die jeweils um sieben Prozent zulegten. Das bereinigte Ergebnis je Aktie konnte sich mit 0,65 Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppeln.
Innerhalb der Konzernstruktur erwies sich das Segment Advanced Technologies als wesentlicher Ertragsbringer. Hier verbesserte sich das bereinigte EBITDA um 25 Prozent auf 333 Millionen Euro, was einer Marge von 20,2 Prozent entspricht.
Das Segment profitierte unter anderem von Lieferengpässen asiatischer Wettbewerber aufgrund von Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Für das Segment Animal Nutrition prognostiziert das Management zudem ein anhaltendes Momentum für das laufende dritte Quartal.
Auch die finanzielle Stabilität verbesserte sich merklich. Der Free Cashflow, der im zweiten Quartal des Vorjahres mit minus 211 Millionen Euro noch deutlich negativ war, drehte auf plus 49 Millionen Euro. Für das gesamte erste Halbjahr 2026 meldete Evonik einen Free Cashflow von 232 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt der Konzern nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,0 und 2,2 Milliarden Euro an.
Effizienzprogramm und Portfolioanpassungen im Fokus
Parallel zur operativen Erholung treibt Evonik den konzernweiten Umbau unter dem Namen „Evonik Tailor Made“ voran. Das Unternehmen plant, in den Jahren 2027 bis 2029 weltweit rund 3.200 Stellen abzubauen, wobei der Schwerpunkt mit 2.150 Stellen auf den deutschen Standorten liegt. Dieses Vorhaben ergänzt ein bereits laufendes Programm, das bis Ende 2026 den Wegfall von 2.800 Stellen vorsieht.
Zusätzlich bereinigt der Konzern sein Portfolio um unrentable Bereiche. So wird das globale Polyester-Geschäft im Jahr 2027 eingestellt. Davon betroffen ist vor allem der Standort Witten mit 266 Mitarbeitern, der geschlossen werden soll.
In Marl und Shanghai fallen in diesem Zusammenhang insgesamt 80 weitere Stellen weg. Das betroffene Geschäft erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro, galt jedoch seit Jahren als nicht profitabel.
Auf der Kapitalseite gab es zuletzt Impulse durch den Großaktionär RAG-Stiftung, die rund 44 Prozent der Anteile hält. Die Stiftung emittierte im Juni eine Umtauschanleihe im Volumen von 375 Millionen Euro, die in bestehende Evonik-Stammaktien gewandelt werden kann. Zudem signalisierte das Management Vertrauen in die eigene Aktie: Vorstandsmitglied Lauren Kjeldsen erwarb Anfang Juni Aktien für insgesamt 100.000 Euro.
An der Börse wird die operative Entwicklung honoriert. Die Aktie notiert aktuell bei 18,18 Euro und liegt damit nur noch rund 0,5 Prozent unter ihrem heute markierten 52-Wochen-Hoch von 18,28 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits um 36 Prozent an Wert gewonnen.
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