Der Spezialchemiekonzern Evonik hat im Zuge der Veröffentlichung seiner detaillierten Geschäftszahlen für das zweite Quartal die Erwartungen für das Gesamtjahr nach oben geschraubt. Das Unternehmen profitiert dabei maßgeblich von einer veränderten Wettbewerbssituation auf den globalen Märkten. Am Dienstag hob der Vorstand das Ziel für das bereinigte EBITDA im Jahr 2026 auf eine Spanne zwischen 2,0 Milliarden Euro und 2,2 Milliarden Euro an. Zuvor war der Konzern lediglich von einem operativen Ergebnis zwischen 1,7 Milliarden Euro und 2,0 Milliarden Euro ausgegangen.

Sonderkonjunktur treibt operatives Ergebnis

Hintergrund der optimistischeren Einschätzung ist eine „Sonderkonjunktur“, die laut Unternehmensangaben durch Lieferengpässe asiatischer Wettbewerber ausgelöst wurde. Diese Entwicklung begünstigte die Geschäfte im abgelaufenen Quartal deutlich. Evonik meldete für die Monate April bis Juni einen Umsatzanstieg um 11 Prozent auf 3,89 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA kletterte im gleichen Zeitraum um 24 Prozent auf 630 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Trotz der operativen Stärke sank der Nettogewinn im zweiten Quartal um 31 Prozent auf 84 Millionen Euro. Positiv entwickelte sich hingegen die Liquiditätslage: Der Konzern erwirtschaftete einen freien Cashflow von 49 Millionen Euro, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Abfluss von 211 Millionen Euro verzeichnet worden war. Für das gesamte Geschäftsjahr strebt das Management eine Cash Conversion Rate von etwa 40 Prozent an. Zur Stärkung der Marktposition trug zuletzt auch der Mitte Juli vermeldete Abschluss der Rückwärtsintegration des globalen MetAMINO-Produktionsnetzwerks am Standort Mobile im US-Bundesstaat Alabama bei.

Konsequente Umsetzung des Sparprogramms

Parallel zu den operativen Zuwächsen treibt das Essener Unternehmen seinen Umbau voran. Der Vorstand bestätigte die Ziele des Sparprogramms „Evonik Tailor Made“. Dieses sieht einen massiven Stellenabbau vor, um die Kostenstruktur langfristig zu optimieren. Bis Ende 2026 sollen bereits 2.800 Stellen gestrichen werden. In einem zweiten Schritt plant das Unternehmen für den Zeitraum von 2027 bis 2029 den Wegfall von weiteren 3.200 Arbeitsplätzen.

Diese strukturellen Maßnahmen sowie die jüngsten Geschäftszahlen finden am Aktienmarkt Beachtung. Das Wertpapier schloss gestern bei 17,99 Euro und notiert damit aktuell nur noch rund 1,32 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn konnte der Titel bereits um 34,66 Prozent zulegen.

Analysten bewerten Marktlage differenziert

Die Reaktionen aus den Analysehäusern fielen nach der Bilanzvorlage gemischt aus. Die US-Bank JPMorgan bestätigte am Dienstag ihr Rating „Underweight“ mit einem Kursziel von 14,00 Euro. Analysten der Bank verwiesen auf den zunehmenden chinesischen Exportüberschuss, der die Branche belasten könne, sahen jedoch in der Aminosäure Methionin eine positive Ausnahme für Evonik.

Am Mittwoch äußerte sich Deutsche Bank Research zur aktuellen Lage und beließ die Einstufung auf „Hold“ mit einem Kursziel von 17,00 Euro. Während einige Marktteilnehmer die Kaufempfehlungen für die Aktie aufrechterhalten, mahnen andere Beobachter aufgrund des Wettbewerbsdrucks aus Fernost zur Vorsicht. Die nächsten detaillierten Einblicke in die Geschäftsentwicklung werden für den 3. November 2026 erwartet, wenn Evonik die Zahlen für das dritte Quartal vorlegen will.