Ein Video auf LinkedIn, ein Seitenhieb in Richtung Ludwigshafen: Evonik nutzt die Quartalszahlen, um sich gegen BASF in Stellung zu bringen. Finanzchef Michael Rauch kritisierte den Zeitpunkt der Offerte scharf. Die Zahlen liefern ihm dafür starke Argumente.

Rauchs Botschaft: „Evonik ist groß genug“

BASF hatte ein Sondierungsangebot vorgelegt, kurz nachdem Evonik den krankheitsbedingten Ausfall von Vorstandschef Christian Kullmann gemeldet hatte. Das Angebot kam laut Rauch „zu einem wirklich merkwürdigen Zeitpunkt“. Ein BASF-Sprecher widersprach: Ein solcher Prozess werde über Monate vorbereitet, man habe ihn trotz der Erkrankung Kullmanns weiterverfolgt.

Inhaltlich blieb Rauch klar. Evonik sei „ein starker Anbieter in der Spezialchemie“, Interesse anderer Unternehmen daher nachvollziehbar. Das Portfolio werde nach den laufenden Maßnahmen noch attraktiver sein. Zuvor hatte der Konzern mitgeteilt, nicht mit BASF über eine Übernahme zu verhandeln.

Zu einem vertraulichen, rein informativen Austausch zeigt er sich bereit. BASF hatte 24 Euro je Aktie in Aussicht gestellt. Die Aktie notierte am Dienstagmittag bei rund 21 Euro, also deutlich unter diesem Niveau.

Starkes Quartal, belastet durch Sparprogramm

Operativ lief es gut. Das bereinigte Ebitda stieg im dritten Quartal um 40 Prozent auf 629 Millionen Euro. Analysten hatten im Mittel mit 633 Millionen Euro gerechnet, der Wert lag also minimal darunter. Der Umsatz übertraf mit knapp 3,83 Milliarden Euro die Erwartungen. Höhere Preise trugen ihn, weil asiatische Wettbewerber stärker unter den Folgen des Iran-Kriegs leiden.

Unter dem Strich blieb ein Verlust von 53 Millionen Euro, nur noch halb so hoch wie ein Jahr zuvor. Grund ist eine Rückstellung von 313 Millionen Euro für das Sparprogramm, etwa für Abfindungen. Im Juni hatte Evonik den Abbau weiterer 3.200 Stellen bis Ende 2029 angekündigt.

Die Sparte Advanced Technologies steuerte am meisten bei. Ihr operativer Gewinn sprang um fast 90 Prozent auf 377 Millionen Euro, getragen von Hochleistungskunststoffen und Methionin. Custom Solutions legte um 7 Prozent auf 231 Millionen Euro zu.

Für 2026 hält der Konzern ein Ebitda in der oberen Hälfte der Spanne von 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro für wahrscheinlich. Interimschef Claus Rettig sprach von noch mehr Optimismus.

Verkäufe als nächste Etappe

Beim geplanten Verkauf des Basischemiegeschäfts Oxeno kommt Evonik voran. Die Bekanntgabe eines Käufers wird in den kommenden Monaten erwartet. Für den Verkauf des Chemieparkbetreibers Syneqt laufen die Vorbereitungen an. Käme es doch zur Übernahme, könnte Syneqt im Unternehmen bleiben: BASF-Chef Markus Kamieth hatte im Oktober erklärt, die Parks in Marl und Wesseling selbst weiterbetreiben zu können.