Die besseren operativen Aussichten führen bei Evonik nicht zu einer einheitlichen Bewertung. Gestern bestätigten Analysten sowohl eine Kaufempfehlung als auch eine Empfehlung zur Untergewichtung. Für Anleger ergibt sich damit ein Spannungsfeld: Das operative Ergebnis wächst deutlich und das Unternehmen investiert in seine Produktion. Unter dem Strich bleibt jedoch ein Verlust.

Analysten ziehen unterschiedliche Schlüsse

Medienberichten zufolge bestätigte Jefferies gestern nach den Quartalszahlen die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 20 Euro. JPMorgan bekräftigte ebenfalls gestern die Empfehlung zur Untergewichtung und ein Kursziel von 14 Euro.

Damit gehen die Einschätzungen trotz desselben Berichts deutlich auseinander. Die bestätigten Empfehlungen stehen für unterschiedliche Anlageurteile. Eine gemeinsame positive Neubewertung lässt sich daraus nicht ableiten. Zugleich änderte keines der beiden Häuser seine Einstufung nach der Veröffentlichung.

Operatives Wachstum ohne Nettogewinn

Evonik erwartet nach dem dritten Quartal für 2026 ein bereinigtes EBITDA in der oberen Hälfte der bisherigen Spanne von 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro. Das teilte das Unternehmen gestern mit.

Die Aussage präzisiert die Erwartung innerhalb des bestehenden Rahmens. Sie ist keine Anhebung der gesamten Prognosespanne. Für die Einordnung der Analystenurteile ist dieser Unterschied wichtig: Evonik signalisiert eine stärkere Ergebnisentwicklung, setzt aber keine neue Obergrenze.

Im berichteten Quartal stieg das bereinigte EBITDA gegenüber dem Vorjahresquartal um 40 Prozent auf 629 Millionen Euro. Gleichzeitig stand unter dem Strich ein Verlust von 53 Millionen Euro.

Operative Verbesserung und Nettoergebnis weisen damit in unterschiedliche Richtungen. Das bereinigte Ergebnis allein beschreibt die Ertragslage nicht vollständig. Der Verlust begrenzt die Aussagekraft einer ausschließlich auf das EBITDA gestützten Betrachtung.

Der Umsatz erhöhte sich im selben Quartal um 13 Prozent auf 3,83 Milliarden Euro. Damit wuchsen sowohl die Erlöse als auch das bereinigte operative Ergebnis.

Investition in Essen abgeschlossen

Neben den Geschäftszahlen steht ein abgeschlossenes Ausbauprojekt. Evonik meldete gestern den Abschluss einer Investition von 52 Millionen Euro in die Silikonplattform am Standort Essen. Die Erweiterung umfasst eine neue Produktionsanlage und ein Tanklager.

Der Ausbau ergänzt die operative Entwicklung um eine konkrete Investition in den Standort. Er ist damit ein weiterer Baustein für die Beurteilung des Unternehmens, aber kein Ersatz für den Blick auf die Profitabilität. Die gegensätzlichen Analystenurteile unterstreichen genau diese Bewertungsfrage: Wie viel Gewicht verdienen das operative Wachstum und die präzisierte Jahreserwartung angesichts des Nettoverlusts?