Evonik bestätigt heute seine Jahreszahlen für 2025 – und liefert damit ein zwiespältiges Signal an den Markt. Während der Essener Spezialchemiekonzern seine Gewinnprognose erfüllt hat, drückt er gleichzeitig die Umsatzerwartungen für 2026 spürbar nach unten. Die Aktie gerät daraufhin unter Druck.

Solide Zahlen, aber rückläufiger Umsatz

Das bereinigte EBITDA erreichte mit 1,87 Milliarden Euro die angepeilte Marke von rund 1,9 Milliarden Euro. Der Nettogewinn kletterte auf 265 Millionen Euro, nach 222 Millionen Euro im Vorjahr. Positiv fällt auch die Cash Conversion Rate von 37 Prozent auf – sie liegt am oberen Ende der Zielspanne.

Doch der Umsatz sank um 7 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Der Free Cashflow ging auf 695 Millionen Euro zurück, verglichen mit 873 Millionen Euro 2024. Die Mitarbeiterzahl reduzierte sich von 31.930 auf 31.053.

Revidierte Prognose für 2026

Für das laufende Jahr senkte Evonik die Umsatzprognose deutlich: Statt 14 bis 15 Milliarden Euro erwartet der Konzern nun nur noch 13,5 bis 14,5 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro liegen – diese Spanne bleibt unverändert.

Die Revision am Mittelpunkt beträgt rund 500 Millionen Euro beim Umsatz. Das Unternehmen hält trotz der niedrigeren Erlöserwartung an seiner Ergebnisprognose fest, was auf geplante Effizienzgewinne hindeutet.

Umbau läuft auf Hochtouren

Das Restrukturierungsprogramm „Evonik Tailor Made“ soll 2026 abgeschlossen werden und dann jährlich etwa 400 Millionen Euro einsparen. Bis zu 2.000 Stellen weltweit sollen wegfallen, davon rund 1.500 in Deutschland. Etwa 80 Prozent der Einsparungen resultieren aus Personalabbau.

Seit April 2025 arbeitet Evonik in zwei Segmenten: „Custom Solutions“ und „Advanced Technologies“, die jeweils rund 6 Milliarden Euro Jahresumsatz erzielen. Die Position des Finanzvorstands ist seit September 2025 vakant und soll bis zur Hauptversammlung am 3. Juni besetzt werden.

Neue Dividendenpolitik greift

Der Vorschlag für die Dividende beträgt 1,00 Euro je Aktie – ein Rückgang gegenüber den zuvor gezahlten 1,17 Euro. Ab 2026 sollen zwischen 40 und 60 Prozent des bereinigten Nettogewinns an die Aktionäre fließen. Diese neue Politik ersetzt die bisherige Praxis kontinuierlicher Ausschüttungen.

Das schwierige Branchenumfeld mit hohen Energiepreisen, globalen Überkapazitäten und geopolitischen Unsicherheiten belastet die gesamte deutsche Chemieindustrie. Die Tarifverhandlungen für 585.000 Beschäftigte der Branche verliefen bislang ergebnislos und werden Ende März fortgesetzt. Am 8. Mai folgt die Quartalsmitteilung für Q1 2026.