Nach den massiven Kursverlusten der vergangenen Monate sieht sich der Hamburger Wirkstoffforscher Evotec mit verstärkten Übernahmespekulationen konfrontiert.

Während die operative Entwicklung durch eine deutliche Prognosesenkung belastet bleibt, rückt die gesunkene Bewertung das Unternehmen zunehmend in das Visier von Wettbewerbern und Finanzinvestoren. Im heutigen Handel notiert das Papier bei 3,41 Euro und damit 0,7 Prozent über dem Vortagesschluss.

Niedrige Bewertung lockt potenzielle Investoren

Medienberichten vom Dienstag zufolge sorgt die stark gesunkene Marktkapitalisierung, die derzeit bei 578,22 Millionen Euro liegt, für eine verstärkte M&A-Fantasie im Pharma-Sektor. Branchenkenner verweisen auf eine anhaltende Konsolidierungswelle, in der Evotec aufgrund seiner technologischen Basis trotz der aktuellen Ertragsschwäche als mögliches Ziel gilt.

Die Aktie hat seit Jahresbeginn bereits 37 Prozent an Wert verloren, was den Einstieg für strategische Partner oder Private-Equity-Häuser finanziell attraktiver macht als in den Vorjahren.

Parallel zu den Marktspekulationen hat das Unternehmen interne Konsequenzen aus den Unregelmäßigkeiten der Vergangenheit gezogen. Wie Medienberichten zu entnehmen ist, wurden die Insider-Handelsrichtlinien verfeinert. Dieser Schritt ist eine direkte Reaktion auf verspätet gemeldete Aktientransaktionen des ehemaligen CEO Werner Lanthaler, die das Vertrauen der Anleger zu Beginn des Jahres belastet hatten.

Operative Belastungen und Prognosekorrekturen

Die fundamentale Lage bleibt derweil herausfordernd. Am 13. August bestätigte Evotec im Rahmen des endgültigen Halbjahresberichts eine massive Korrektur der Jahresziele. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Management nun mit einem bereinigten EBITDA-Verlust zwischen 70 Millionen Euro und 105 Millionen Euro.

Ursprünglich war das Unternehmen von einem Gewinn in Höhe von bis zu 40 Millionen Euro ausgegangen. Auch beim Umsatz wurde die Erwartung auf eine Spanne von 570 Millionen Euro bis 610 Millionen Euro angepasst.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres sank der Konzernumsatz um 19,2 Prozent auf 300,1 Millionen Euro. Das bereinigte Konzern-EBITDA verschlechterte sich im selben Zeitraum deutlich auf minus 42,7 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum lediglich ein Minus von 1,9 Millionen Euro zu Buche gestanden hatte. Trotz dieser Zahlen hielt das Analystenhaus RBC Capital Markets am 13. August an seiner Einstufung „Outperform“ für die Aktie fest.

Effizienzprogramm und personeller Wandel

Um der negativen Ergebnisentwicklung entgegenzuwirken, forcierte das Management zuletzt das Transformationsprogramm „Horizon“. Ziel ist es, bis zum Ende des Jahres 2027 jährliche Kosteneinsparungen von 75 Millionen Euro zu realisieren.

Ein signifikanter Teil dieser Summe, etwa 20 bis 30 Prozent, soll bereits im laufenden Geschäftsjahr wirksam werden. Diese Maßnahmen sollen die Profitabilität stabilisieren und die Unabhängigkeit des Unternehmens in einem volatilen Marktumfeld sichern.

Auf der Führungsebene setzt sich die Umstrukturierung fort. Bereits mit Wirkung zum 7. August, also vor gut drei Wochen, schied Camilla Macapili Languille aus dem Aufsichtsrat aus. Flankiert wird der interne Umbau von neuen operativen Impulsen in der Forschung.

Vor gut drei Wochen gab das Unternehmen zudem Kooperationen mit Odyssey Therapeutics sowie Niagen Bioscience bekannt. In Verona sollen dabei unter anderem präklinische Studien für neue Wirkstoffkandidaten durchgeführt werden, während die Zusammenarbeit mit Odyssey auf die Identifizierung von Therapien für Autoimmunerkrankungen mittels KI-gestützter Plattformen abzielt.