Der Hamburger Wirkstoffforscher Evotec sieht sich nach einer tiefgreifenden Revision seiner Geschäftsziele mit einer deutlichen Neubewertung durch den Kapitalmarkt konfrontiert. Nachdem das Unternehmen seine Prognose für das laufende Jahr massiv korrigieren musste, dominieren Skepsis und vorsichtige Kommentare das Bild an der Börse.

Drastische Revision der Jahresziele

Mitte Juli hat Evotec die Erwartungen für das Geschäftsjahr 2026 erheblich nach unten geschraubt. Das Management rechnet nun mit einem negativen bereinigten Konzern-EBITDA in einer Spanne von minus 70 Millionen bis minus 105 Millionen Euro. Zuvor war das Unternehmen noch von einem positiven Ergebnis zwischen 0 und 40 Millionen Euro ausgegangen. Auch die Umsatzprognose wurde von ursprünglich 700 bis 780 Millionen Euro auf nun 570 bis 610 Millionen Euro gesenkt.

Als Hauptgründe für diese Entwicklung nannte das Unternehmen verzögerte Meilensteinzahlungen, die etwa 40 Prozent des Effekts ausmachen. Zudem belasteten verspätete Abschlüsse strategischer Partnerschaften die Planungen mit einem Anteil von rund 45 Prozent. Vorläufige, ungeprüfte Zahlen für das erste Halbjahr 2026 unterstreichen die angespannte Lage: Bei einem Konzernumsatz von rund 300,1 Millionen Euro wurde ein bereinigtes Konzern-EBITDA von etwa minus 42,7 Millionen Euro verzeichnet.

Analysten reagieren mit Kurszielanpassungen

Die Reaktion der Analystenhäuser auf die zweite Prognosesenkung innerhalb weniger Monate fiel deutlich aus. Die Analysten der Deutschen Bank senkten am 16. Juli ihr Kursziel für die Aktie auf 3,50 Euro. Am selben Tag stufte das Bankhaus Berenberg das Papier von „Buy“ auf „Hold“ herab und reduzierte das Kursziel drastisch auf 3,60 Euro.

Während einzelne Marktbeobachter trotz der Warnung an ihren optimistischen Einschätzungen festhielten, äußerten sich andere Experten am Mittwoch skeptisch bezüglich einer schnellen kurzfristigen Erholung. In den USA bewerteten Analysten die dort notierten Anteile sogar noch vorsichtiger. Der Markt reagierte auf die Nachrichtenlage mit Verkäufen. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 3,45 Euro. Seit Jahresbeginn verzeichnete der Titel damit einen Rückgang von 36,66 Prozent. Der Relative-Stärke-Index (RSI) wird aktuell mit 24,8 ausgewiesen, was technisch auf eine überverkaufte Situation hindeutet.

Operative Fortschritte und finanzielle Basis

Trotz der finanziellen Rückschläge treibt das Unternehmen seine technologische Entwicklung voran. Die Tochtergesellschaft Just – Evotec Biologics führte Ende Juni mit „J.TRAIN“ eine schlüsselfertige Lösung für die kontinuierliche Herstellung von Biologika ein. Zudem gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt, die Verwaltung des globalen Reise- und Spesenmanagements künftig über eine KI-gestützte Plattform des Anbieters Navan zu vereinheitlichen.

Die finanzielle Stabilität des Konzerns wird durch die Liquiditätsposition gestützt, die Evotec zum 30. Juni mit rund 465,6 Millionen Euro angab. Um die Effizienz in der Wirkstoffforschung weiter zu steigern, wurde zudem die Position des Head of Global In Silico and AI neu besetzt. Anleger richten ihr Augenmerk nun auf den 13. August, wenn der vollständige Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht werden soll.