Evotec bleibt unter Druck. Der Kurs des Biotech-Dienstleisters schloss am Freitag bei 3,03 Euro und liegt damit nur noch 1,9 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 2,97 Euro. Der Relative-Stärke-Index von 28,9 signalisiert eine überverkaufte Aktie – ein Signal, das Anleger angesichts der Häufung negativer Nachrichten der vergangenen Wochen kaum überraschen dürfte.

Guidance-Kürzung wirkt nach

Den Grundstein für die schwache Kursentwicklung legte Evotec bereits Mitte Juli, als das Unternehmen seine Jahresprognose 2026 deutlich zurücknahm: Der erwartete Umsatz sank von 700 bis 780 Millionen Euro auf nur noch 570 bis 610 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA soll nun zwischen minus 70 und minus 105 Millionen Euro liegen statt der zuvor avisierten schwarzen Null bis plus 40 Millionen Euro.

Rund 40 Prozent der Umsatzreduktion erklärte das Unternehmen mit verschobenen Meilensteinzahlungen, die erst 2027 anfallen sollen. Vor rund zwei Wochen bestätigte Evotec diese gesenkte Prognose im Rahmen der Halbjahreszahlen – seither hat die Aktie um weitere 9,9 Prozent nachgegeben.

Die Halbjahreszahlen selbst untermauerten das schwächere Bild: Der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 fiel um 19,2 Prozent auf 300,1 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA lag bei minus 42,7 Millionen Euro. Für Anleger bedeutet das: Die Ergebnisverschlechterung ist keine Momentaufnahme, sondern zieht sich seit Monaten durch die Bilanz.

Kooperationen können den Trend bislang nicht drehen

Parallel zur schwachen Zahlenlage hat Evotec seine Partnerschaftsstrategie vorangetrieben – bislang ohne spürbare Kursstabilisierung. Vor rund zwei Wochen startete das Unternehmen eine Forschungskooperation mit Plectonic Biotech zu T-Zell-aktivierenden Ansätzen gegen solide Tumoren, bei der die hauseigene BiTCo-Plattform mit der LOGIBODY-Technologie des Partners kombiniert wird.

Die Aktie verlor seither weitere 8,0 Prozent. Schon vor über einem Monat hatte Evotec eine KI-gestützte Forschungskooperation mit Odyssey Therapeutics in den Bereichen Autoimmun- und Entzündungserkrankungen angekündigt – auch dieses Ereignis konnte den Abwärtstrend nicht stoppen, der Kurs gab seither um 12,3 Prozent nach.

Auch personell gab es zuletzt Bewegung: Vor rund einem Monat trat Aufsichtsratsmitglied Camilla Macapili Languille zurück. Seither verlor die Aktie 13,0 Prozent an Wert – ein Zusammenhang lässt sich daraus zwar nicht zwingend ableiten, doch die Häufung negativer Entwicklungen belastet insgesamt das Anlegervertrauen.

Blick auf die kommenden Quartalszahlen

Für Anleger rückt nun der 5. November 2026 in den Fokus, wenn Evotec seine Ergebnisse für das dritte Quartal vorlegt. Angesichts der bereits gesenkten Jahresprognose dürfte die entscheidende Frage sein, ob das Unternehmen den unteren oder oberen Rand der Umsatz- und EBITDA-Spannen erreichen kann.

Bis dahin bleibt die Aktie in einer fragilen Verfassung: Weder die neuen Forschungskooperationen noch das Sparprogramm haben bislang eine Trendwende ausgelöst. Ob sich das Blatt bei den Q3-Zahlen wendet, hängt maßgeblich davon ab, ob die im Sommer verschobenen Meilensteinzahlungen tatsächlich wie angekündigt ins kommende Jahr fließen – oder ob weitere Verzögerungen drohen.