Das Hamburger Biotechnologie-Unternehmen Evotec hat am vergangenen Donnerstag seine im Juli drastisch korrigierten Jahresziele offiziell bestätigt. Mit der Vorlage der Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 untermauerte das Management den eingeschlagenen Sparkurs und die Erwartung eines operativen Verlusts für das Gesamtjahr. Nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen verzeichnete die Aktie am gestrigen Mittwoch ein leichtes Plus von 1,5 Prozent und schloss bei 3,42 Euro.

Umsatzrückgang und operatives Minus im ersten Halbjahr

Die nun veröffentlichten Zahlen verdeutlichen die schwierige Lage, in der sich der Wirkstoffforscher derzeit befindet. Im zweiten Quartal 2026 sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,2 Prozent auf 143,5 Millionen Euro.

Für das gesamte erste Halbjahr meldete Evotec einen Erlös von 300,1 Millionen Euro, was einem Rückgang von 19,2 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 entspricht. Besonders deutlich zeigt sich die Belastung beim bereinigten EBITDA: Nach den ersten sechs Monaten des Jahres steht hier ein Minus von 42,7 Millionen Euro zu Buche.

Trotz dieser rückläufigen Gesamtentwicklung gab es im operativen Bereich Lichtblicke. So stiegen die Nettoverkäufe im Segment Discovery & Protein Dynamics (D&PD) im ersten Halbjahr um mehr als 28 Prozent. Das Unternehmen führt dies auf eine verbesserte Kundenaktivität und eine effizientere kommerzielle Ausführung zurück.

Dennoch bleibt die Prognose für das Gesamtjahr 2026 herausfordernd. Evotec erwartet weiterhin einen Umsatz zwischen 570 und 610 Millionen Euro sowie ein bereinigtes EBITDA in einer Spanne von minus 70 bis minus 105 Millionen Euro.

Kostensenkungen und neue Partnerschaften als Gegenimpuls

Um der negativen Ergebnisentwicklung entgegenzuwirken, treibt das Unternehmen das Transformationsprogramm „Horizon“ voran. Ziel ist es, bis Ende 2027 jährliche Einsparungen in Höhe von 75 Millionen Euro zu realisieren. Nach Angaben von Evotec wurden in der ersten Jahreshälfte 2026 bereits etwa 20 bis 30 Prozent dieser angestrebten Summe umgesetzt.

Parallel zum Umbau setzt das Unternehmen auf neue technologische Impulse. Anfang August startete Evotec eine Kooperation mit Odyssey Therapeutics, die sich auf KI-gestützte Forschung und Entwicklung im Bereich der Autoimmun- und Entzündungserkrankungen konzentriert.

Auf personeller Ebene gab es zudem eine Veränderung im Kontrollgremium. Camilla Macapili Languille, die seit Juni 2022 als unabhängiges Mitglied im Aufsichtsrat tätig war und dem Audit & Compliance Committee angehörte, ist aus dem Gremium ausgeschieden.

Analysten reagierten bereits im Vorfeld

Die deutliche Korrektur der Erwartungen hatte sich bereits Mitte Juli abgezeichnet, als das Unternehmen seine Prognose ursprünglich von einem zuvor erwarteten Gewinn in einen signifikanten Verlust drehte. In der Folge passten mehrere Analysehäuser ihre Einschätzungen an.

Berenberg stufte die Aktie am 17. Juli von „Buy“ auf „Hold“ herab und senkte das Kursziel drastisch von 9,40 Euro auf 3,60 Euro. Nur zwei Tage zuvor hatte bereits TD Cowen die Bewertung auf „Hold“ reduziert.

An der Börse hat der Wert in diesem Kalenderjahr massiv an Boden verloren und verzeichnet seit Jahresanfang ein Minus von 37 Prozent. Mit dem aktuellen Kursniveau bleibt die Aktie zwar ein Stück vom 52-Wochen-Tief entfernt, das Mitte Juli bei 3,19 Euro markiert wurde, liegt jedoch weiterhin 7,1 Prozent über dieser Marke.

Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 7,75 Euro, welches im November des vergangenen Jahres erreicht wurde, beträgt derweil 56 Prozent. Anleger blicken nun darauf, ob die Kosteneinsparungen ausreichen, um die operative Wende im kommenden Jahr vorzubereiten.