Morgen früh um 9 Uhr tritt Evotec vor seine Aktionäre — und die Tagesordnung hat es in sich. Der Hamburger Biotech-Konzern steckt mitten in einem tiefgreifenden Umbau, ein aktivistischer Investor fordert strukturelle Einschnitte, und die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 zeigen, wie viel Arbeit noch vor dem Unternehmen liegt.
Radikaler Umbau, schwache Zahlen
Das Restrukturierungsprogramm „Horizon“ setzt den Rotstift tief an. Die Zahl der Standorte soll auf zehn sinken, rund 800 Stellen werden gestrichen. Das Ziel: die Kostenbasis bis Ende 2027 um 75 Millionen Euro zu senken.
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, wie dringend nötig das ist. Im ersten Quartal 2026 brach der Umsatz um gut 21 Prozent auf 156,6 Millionen Euro ein. Der bereinigte EBITDA rutschte auf minus 21,9 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet das Management einen Umsatz zwischen 700 und 780 Millionen Euro sowie ein bereinigtes EBITDA zwischen 0 und 40 Millionen Euro — ein schmaler Korridor ohne Puffer.
Die Liquidität bleibt mit rund 445 Millionen Euro stabil. Zur Finanzierung des Umbaus platzierte Evotec eine Wandelanleihe über 116 Millionen Euro.
MAK Capital und der Just-Evotec-Streit
Der aktivistische Investor MAK Capital drängt auf die Abspaltung von Just Evotec Biologics — dem Bereich, den viele Marktbeobachter als wertvollsten Teil des Konzerns einschätzen. Ob der Vorstand diesen Weg mitgeht, blieb auf der Hauptversammlung offen. Eine klare Antwort darauf wäre das Signal, auf das viele Investoren warten.
Parallel dazu setzt das Unternehmen auf einen personellen Neuanfang: Mit Rui Wang, der von AstraZeneca als neuer KI-Chef wechselt, richtet Evotec die Wirkstoffforschung stärker auf datengetriebene Ansätze aus.
Charttechnisch im Niemandsland
Der Aktienkurs notiert aktuell knapp unter 5 Euro — weit entfernt vom Hoch bei über 24 Euro aus Mitte 2023, aber auch spürbar erholt vom Jahrestief bei 3,99 Euro. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei rund 5,65 Euro. Ein nachhaltiger Schlusskurs darüber gilt chartechnisch als Bedingung für ein belastbares Aufwärtssignal. Bis dahin bleibt der Titel zwischen Trendwende-Hoffnung und Restrukturierungsrealität eingeklemmt.
Die Hauptversammlung am 11. Juni könnte zumindest in einer Frage Klarheit bringen: wie weit der Vorstand den Forderungen von MAK Capital entgegenkommt. Das Ergebnis dieser Diskussion dürfte kurzfristig stärker auf den Kurs wirken als jede Chartmarke.
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