Evotec kommt nicht zur Ruhe. Während das Unternehmen noch die massiv gesenkte Jahresprognose verdaut, kursieren am Markt nun Gerüchte über eine nur begrenzte Durchfinanzierung bis April 2027 und die mögliche Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung im Sommer 2027. Grund sei der anhaltende Cash-Burn des Biotech- und Pharmadienstleisters. Bestätigt sind diese Spekulationen bislang nicht, doch sie treffen auf einen Markt, der nach den jüngsten Zahlen ohnehin verunsichert ist.
Restrukturierung kommt langsamer voran als geplant
Der Hintergrund der Sorgen liegt in den Halbjahreszahlen, die Evotec am Donnerstag vergangener Woche vorlegte. Der Umsatz brach um 19,2 Prozent auf 300,1 Millionen Euro ein, unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 168,6 Millionen Euro. Belastet wurde das Ergebnis durch Reorganisationskosten von 98,9 Millionen Euro sowie eine Wertminderung von 42,3 Millionen Euro auf ein Laborgebäude in Hamburg.
Besonders aufschlussreich für die aktuelle Debatte um die Finanzierung ist eine Aussage von CEO Christian Wojczewski: Das Restrukturierungsprogramm „Horizon“ werde im laufenden Jahr voraussichtlich nur 20 bis 30 Prozent der geplanten jährlichen Einsparungen von 75 Millionen Euro erreichen.
Wer auf schnelle Kostenentlastung gehofft hatte, muss sich also gedulden – und genau diese Verzögerung nährt die Zweifel an der mittelfristigen Liquiditätsausstattung des Konzerns.
Auch die KI-Kooperation steht unter Beobachtung
Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch die Diskussion um das finanzielle Potenzial der KI-Kooperation mit Odyssey Therapeutics. Marktteilnehmer fragen sich, ob die Partnerschaft angesichts der drohenden Kapitalknappheit tatsächlich den erhofften finanziellen Rückenwind liefern kann oder ob sie eher zusätzliche Investitionen bindet, ohne kurzfristig Cashflow zu generieren.
Die Reaktionen der Analystenhäuser fielen zuletzt gemischt aus. TD Cowen stufte die Aktie am Dienstag von „Buy“ auf „Hold“ zurück, während H.C. Wainwright am selben Tag die Gewinnschätzungen nach den Halbjahreszahlen senkte.
Ein Kontrapunkt bleibt RBC Capital Markets, das mit Kursziel 10,00 Euro und Rating „Outperform“ weiterhin deutlich über dem aktuellen Niveau liegt – allerdings stammt diese Einschätzung noch vom Tag der Zahlenvorlage und dürfte angesichts der neuen Gerüchtelage bald auf dem Prüfstand stehen.
Chart signalisiert Nervosität
Der Aktienkurs bewegt sich derzeit bei 3,34 Euro und damit rund 18 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4,07 Euro – ein Indiz dafür, wie stark der jüngste Kursverfall gegenüber dem mittelfristigen Trend ausgefallen ist. Seit Jahresbeginn steht bei Evotec ein Minus von 39 Prozent zu Buche, ein Wert, der die tiefgreifende Vertrauenskrise rund um das Unternehmen unterstreicht.
Für Anleger bleibt die Gemengelage schwierig einzuschätzen: Bestätigt sich die Kapitalerhöhungs-Spekulation, dürfte das die bestehenden Aktionäre über eine Verwässerung zusätzlich belasten. Bleibt sie ein Gerücht, könnte sich der Fokus wieder stärker auf das operative Geschäft und den Fortschritt bei „Horizon“ richten. Bis zur nächsten offiziellen Stellungnahme des Unternehmens dürfte die Unsicherheit an der Börse jedoch bestehen bleiben.
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