Das Hamburger Wirkstoffforschungs-Unternehmen Evotec sieht sich derzeit mit einer extremen Kluft in der Expertenbewertung konfrontiert. Während die Aktie am vergangenen Mittwoch mit 2,97 Euro ein neues 52-Wochen-Tief markierte, gehen die Einschätzungen der großen Analysehäuser im September weit auseinander.
Die Spanne der aktuellen Kursziele reicht von vorsichtigen 3,50 Euro bis hin zu optimistischen 10,00 Euro, was die Unsicherheit über den künftigen Sanierungskurs widerspiegelt.
Kursziele zwischen 3,50 und 10,00 Euro
Die Analysten von RBC Capital Markets bestätigten im September ihr Kursziel von 10,00 Euro für die Evotec-Aktie. Damit signalisiert das Haus ein erhebliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kursniveau. Im Gegensatz dazu zeigt sich die Deutsche Bank deutlich zurückhaltender. Ebenfalls im September setzten deren Experten das Kursziel auf lediglich 3,50 Euro fest.
Bereits im Juli hatte Berenberg das Rating für das Papier von „Kaufen“ auf „Halten“ herabgestuft und das Ziel drastisch von 9,40 Euro auf 3,60 Euro gesenkt. Diese unterschiedlichen Sichtweisen verdeutlichen, wie schwer der Markt die langfristigen Erfolgsaussichten des Unternehmens derzeit gewichten kann. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 3,03 Euro und notiert damit nur noch 1,9 Prozent über ihrem Jahrestief.
Operative Entwicklung im ersten Halbjahr
Hintergrund der verhaltenen Stimmung sind die jüngsten Geschäftszahlen und eine deutliche Korrektur der Jahresprognose. Für das erste Halbjahr 2026 meldete Evotec einen Umsatzrückgang um 19,2 Prozent auf 300,1 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA lag in diesem Zeitraum bei minus 42,7 Millionen Euro. Als Reaktion darauf hatte das Management bereits im Juli die Ziele für das Gesamtjahr nach unten geschraubt.
Das Unternehmen erwartet nun für 2026 nur noch einen Umsatz zwischen 570 und 610 Millionen Euro. Zuvor war die Konzernleitung von bis zu 780 Millionen Euro ausgegangen.
Beim bereinigten EBITDA wird mittlerweile ein Verlust von 70 bis 105 Millionen Euro befürchtet, nachdem ursprünglich ein positives Ergebnis von bis zu 40 Millionen Euro im Raum gestanden hatte. Ein Lichtblick zeigte sich im Segment Drug Discovery & Preclinical Development, dessen Nettoumsätze im ersten Halbjahr um mehr als 28 Prozent zulegten.
Transformation und Einsparungen im Fokus
Um der operativen Schwäche entgegenzuwirken, setzt Evotec auf das Transformationsprogramm „Horizon“. Ziel dieses Plans ist es, die jährlichen Kosten um rund 75 Millionen Euro zu senken. Das Management plant, etwa 20 bis 30 Prozent dieser Einsparungen bereits im laufenden Jahr 2026 zu realisieren. Medienberichten zufolge soll diese Umstrukturierung die Basis für eine Rückkehr zur Profitabilität bilden.
An der Börse hinterließen die Korrekturen tiefe Spuren. Seit Jahresbeginn hat das Papier 44 Prozent an Wert verloren. Der Relative-Stärke-Index (RSI) für 14 Tage liegt mit einem Wert von 28,9 im überverkauften Bereich. Dies deutet darauf hin, dass der Verkaufsdruck zuletzt massiv war, während Investoren nun auf erste Anzeichen einer Stabilisierung durch das Sparprogramm warten. Im September gab es zudem eine personelle Änderung im Kontrollgremium: Camilla Macapili Languille schied aus dem Aufsichtsrat aus.
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