Ein Fünftel des Börsenwerts einfach weg – binnen weniger Stunden. Evotec hat am späten Montagabend seine Jahresziele drastisch zusammengestrichen, und der Markt reagiert kompromisslos. Im frühen Handel auf Tradegate brach die Aktie um 20 Prozent auf 3,952 Euro ein, gemessen am Xetra-Schluss vom Vortag. Damit rückt ein Kursniveau in Reichweite, das zuletzt 2016 zu sehen war.
Aus Gewinn wird Verlust
Der Wirkstoffentwickler rechnet für 2026 nur noch mit einem Umsatz zwischen 570 und 610 Millionen Euro. Bislang standen 700 bis 780 Millionen Euro im Raum. Noch schwerer wiegt die Korrektur beim operativen Ergebnis: Statt eines bereinigten Ebitda von 0 bis plus 40 Millionen Euro drohen nun minus 70 bis minus 105 Millionen Euro.
Auch der Blick auf das erste Halbjahr fällt ernüchternd aus. Der Umsatz sank auf 300,1 Millionen Euro, nach 371,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Ebitda rutschte auf minus 42,7 Millionen Euro ab – nach einem Minus von lediglich 1,9 Millionen Euro vor einem Jahr.
Als Ursache nennt Evotec Verzögerungen bei margenstarken Partnerschaften. Rund 40 Prozent der bestehenden Partnerschaftserlöse verschieben sich durch geänderte Zeitpläne ins Jahr 2027. Das Kerngeschäft laufe zwar weiterhin robust, doch die Zahlungen aus Meilensteinen in der Wirkstoffentwicklung mit externen Partnern kommen später als geplant.
Management sieht Silberstreifen, Analysten bleiben skeptisch
CEO Christian Wojczewski räumte einen schwierigen Jahresstart ein, sprach aber von ersten Anzeichen einer Erholung. Das Unternehmen führe fortgeschrittene Gespräche mit mehreren etablierten Partnern zu Programmen in den Bereichen Nierenerkrankungen, Onkologie, Frauengesundheit und Adipositas.
Am Kapitalmarkt kommt diese Zuversicht bislang nicht an. Ein Analyst bezeichnete die Mitteilung als „eine weitere erhebliche Gewinnwarnung“ und räumte zwar ein, dass es durchaus Silberstreifen am Horizont gebe. Das Unternehmen dürfte es aber schwer haben, den Markt davon zu überzeugen. Um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, brauche es mehr Kontinuität bei den veröffentlichten Kennziffern und detailliertere, belastbarere Prognosen.
Genau daran hakt es aus Sicht vieler Marktteilnehmer seit Monaten. Evotec hat seine Ziele in den vergangenen Quartalen mehrfach nachjustiert, und mit jeder Korrektur schwindet ein Stück Glaubwürdigkeit der eigenen Prognosefähigkeit. Ob die angekündigten neuen Partnerschaften tatsächlich zeitnah zu belastbaren Vertragsabschlüssen führen, dürfte die nächsten Quartalszahlen zeigen.
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