Evotec hat am heutigen Donnerstag Zahlen vorgelegt, die den Abwärtstrend der Aktie bestätigen. Der Konzernumsatz brach im ersten Halbjahr 2026 um 19,2 Prozent auf 300,1 Millionen Euro ein. Im zweiten Quartal fiel der Rückgang mit minus 16,2 Prozent auf 143,5 Millionen Euro nach zuvor 171,2 Millionen Euro ähnlich deutlich aus.

Besonders belastet zeigte sich die Ertragslage. Das bereinigte EBITDA im zweiten Quartal rutschte auf minus 20,8 Millionen Euro ab, nach minus 5,0 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Der operative Verlust weitet sich damit sichtbar aus, während das Unternehmen für das Gesamtjahr einen operativen Verlust zwischen 70 und 105 Millionen Euro sowie einen Umsatz von 570 bis 610 Millionen Euro in Aussicht stellt.

Immerhin verfügte Evotec Ende Juni noch über eine Liquidität von 465,6 Millionen Euro – ein Puffer, der dem Biotech-Dienstleister in der aktuellen Schwächephase Spielraum verschafft.

Aktie fällt weiter, Community übt Kritik

Die Reaktion an der Börse ließ nicht lange auf sich warten. Die Aktie notiert aktuell bei 3,62 Euro und verliert damit heute 5,1 Prozent. Auf Jahressicht steht inzwischen ein Minus von 34 Prozent seit Jahresbeginn zu Buche – ein Ausmaß, das die anhaltende Skepsis der Anleger unterstreicht.

In Online-Foren wird vor allem die gesenkte Prognose kritisiert, ebenso die aus Sicht vieler Marktteilnehmer verzögerten Partnerschaftsabschlüsse des Unternehmens.

Der Kursverlauf der vergangenen Tage zeigt dabei ein zwiespältiges Bild: Kurzfristig hatte sich die Aktie zunächst leicht erholt, bevor die Reaktion auf die Halbjahreszahlen die Erholung wieder zunichtemachte. Für Anleger bleibt damit die Frage im Raum, ob der operative Verlust nur eine Übergangsphase markiert oder strukturelle Probleme im Kerngeschäft offenlegt.

RBC hält an positiver Einschätzung fest

Trotz der schwachen Zahlen zeigte sich die Bank RBC unbeeindruckt. Analyst Charles Weston beließ die Einstufung für Evotec auf „Outperform“ und bestätigte ein Kursziel von 10 Euro. Nach seiner Einschätzung decken sich die vorgelegten Quartalszahlen mit den bereits im Juli kommunizierten Eckdaten, größere Kursausschläge seien deshalb nicht zu erwarten gewesen.

Diese Einschätzung steht in deutlichem Kontrast zur tatsächlichen Marktreaktion: Die Aktie büßte trotz vermeintlich bekannter Eckdaten am heutigen Handelstag deutlich an Wert ein. Das aktuelle Kursziel von RBC liegt damit weit über dem gegenwärtigen Kursniveau – ein Abstand, der die Diskrepanz zwischen fundamentaler Einschätzung des Analysehauses und der kurzfristigen Stimmung am Markt verdeutlicht.

Für Evotec-Anleger bleibt die Gemengelage schwierig: Sinkende Umsätze, ein sich vertiefender operativer Verlust und eine kritische Anlegerstimmung stehen einer soliden Liquiditätsausstattung und dem Vertrauen zumindest eines namhaften Analysehauses gegenüber. Wie sich die Partnerschaftspipeline in den kommenden Quartalen entwickelt, dürfte darüber entscheiden, welche der beiden Sichtweisen sich durchsetzt.