Evotec- vs. Morphosys-Aktie: Volatile Zukunft gegen besiegeltes Schicksal

Evotec kämpft als eigenständiges Unternehmen um einen strategischen Neustart, während Morphosys als Biotech-Investment nach der Novartis-Übernahme Geschichte ist. Die Anlageprofile haben sich fundamental verschoben.

Evotec Aktie
Kurz & knapp:
  • Evotec startet offensive Neuausrichtung mit F&E-Fokus
  • Morphosys-Standorte werden durch Novartis geschlossen
  • Evotec-Aktie zeigt nach schwierigem Jahr Erholung
  • Anleger müssen zwischen Volatilität und Sicherheit wählen

In der deutschen Biotech-Landschaft haben sich die Wege zweier einstiger Rivalen radikal getrennt. Während die Evotec SE nach internen Turbulenzen den harten Kampf um einen strategischen Neustart führt, ist die Morphosys AG als eigenständiger Akteur Geschichte. Durch die Übernahme von Novartis hat sich das Investmentprofil für Anleger fundamental verschoben. Es ist kein klassisches Kopf-an-Kopf-Rennen um Marktanteile mehr, sondern eine Entscheidung zwischen zwei völlig unterschiedlichen Anlagephilosophien: Die spekulative Wette auf das Comeback bei Evotec gegen die endgültige Integration der Morphosys-Assets in den Novartis-Konzern.

Wer bestimmt die Schlagzeilen?

Die Nachrichtenlage könnte gegensätzlicher kaum sein. Bei Morphosys dominiert der Abwicklungsmodus. Der neue Mutterkonzern Novartis greift hart durch und plant, die Morphosys-Standorte in Deutschland und den USA bis Ende 2025 zu schließen. Rund 330 Arbeitsplätze sind betroffen. Der Grund für diese drastischen Schritte liegt in der Enttäuschung über den einstigen Hoffnungsträger Pelabresib. Verzögerungen bei der Zulassung bis möglicherweise 2027 und eine Wertberichtigung von 800 Millionen US-Dollar durch Novartis zeigen, dass die Integration alles andere als reibungslos verläuft.

Evotec hingegen setzt auf Offensive und Neuaufstellung. Das Unternehmen kämpft an der operativen Front um das Vertrauen des Marktes. Mit einer geschärften Strategie, die sich auf die Kernkompetenzen in Forschung und Entwicklung fokussiert, soll die Komplexität reduziert werden. Dass die technologische Substanz weiterhin attraktiv ist, beweist die jüngste Förderung der Gates Foundation für die KI-gestützte Antikörper-Optimierung. Auch das institutionelle Interesse kehrt zurück: Eine Investorengruppe um Michael Kaufman hat die Beteiligungsschwelle von 5,03 % überschritten – ein klares Signal, dass „Smart Money“ hier wieder Potenzial wittert.

Wie reagiert der Markt auf die Divergenz?

Ein Blick auf den Chart offenbart die unterschiedlichen Realitäten. Die Morphosys-Aktie hat ihr Eigenleben verloren. Seit der Annahme des Übernahmeangebots ist der Kurs faktisch eingefroren beziehungsweise für Altaktionäre in Barbestände oder Novartis-Anteile getauscht worden. Die Volatilität ist aus dem Titel gewichen, das Schicksal der Assets hängt nun am Tropf des Schweizer Pharmagiganten.

Ganz anders präsentiert sich Evotec. Hier herrscht Hochspannung. Nach einem schwierigen Jahr 2024 zeigt die Aktie im neuen Jahr Lebenszeichen. Ein Plus von über 16 % seit Jahresbeginn (YTD) deutet darauf hin, dass die Bodenbildung abgeschlossen sein könnte. Der Kurs reagiert extrem sensibel auf jede Nachricht zur operativen Wende. Anleger honorieren den neuen Kurs von CEO Dr. Christian Wojczewski, bleiben aber nervös.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Evotec?

Investment-Profil im Vergleich

MerkmalEvotec (EVT)Morphosys (via Novartis)
StatusEigenständiger Turnaround-KandidatIntegrierte Sparte im Großkonzern
HaupttreiberStrategische Neuausrichtung & PartnerschaftenPipeline-Erfolg von Novartis (global)
RisikoprofilHoch (Volatilität & Ausführungsrisiko)Niedrig (Diversifikation durch Mutterkonzern)
ZeithorizontMittel- bis Langfristig (Wiederaufbau)Langfristig (Dividende & Substanz)

Wo liegen die operativen Stärken?

Auch wenn ein direkter Zahlenvergleich hinkt, lohnt sich der Blick auf die Substanz, die Anleger heute kaufen.

Evotec punktet mit Breite. Das Geschäftsmodell als Forschungsdienstleister (CRO/CDMO) basiert auf hunderten Partnerschaften. Das Unternehmen ist nicht von einem einzelnen Medikament abhängig, sondern liefert die Schaufeln für den Goldrausch der Pharmabranche.
* Vorteil: Wenn die F&E-Budgets der Pharmariesen wieder steigen, profitiert Evotec direkt. Die technologische Plattform ist etabliert und skalierbar.
* Nachteil: Das Modell ist komplex und war zuletzt profitabilitätsschwach. Der Beweis, dass die neue Effizienzstrategie greift, muss erst noch in den Quartalszahlen erbracht werden.

Das Erbe von Morphosys reduziert sich auf das Medikament Pelabresib.
* Vorteil (im Novartis-Mantel): Das Entwicklungsrisiko wird nun von einer der stärksten Bilanzen der Welt getragen. Sollte das Mittel doch noch ein Blockbuster werden, fließt der Gewinn in die Novartis-Kasse.
* Nachteil: Die Abhängigkeit von klinischen Daten bleibt bestehen, ist aber für den Anleger verwässert. Die einstigen Morphosys-Aktionäre haben keinen direkten Hebel mehr auf einen potenziellen Durchbruch.

Welches Szenario bietet mehr Fantasie?

Die Karten liegen offen auf dem Tisch:

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Evotec?

Bei Evotec kaufen Anleger eine klassische Turnaround-Story. Das Ziel ist ambitioniert: Bis 2028 soll die bereinigte EBITDA-Marge auf über 20 % steigen. Gelingt dies, ist die Aktie auf dem aktuellen Niveau massiv unterbewertet. Die Fantasie liegt in der Rückkehr zu alter Stärke und der möglichen Rolle als unverzichtbarer Partner für die KI-getriebene Wirkstoffforschung. Wer hier einsteigt, wettet darauf, dass das Schlimmste überstanden ist.

Für Morphosys-Interessierte führt der Weg nur noch über die Novartis-Aktie. Die Fantasie einer Kursvervielfachung durch ein einzelnes Krebsmedikament ist gewichen. Stattdessen bietet dieses Szenario Sicherheit, stabile Dividenden und ein global diversifiziertes Portfolio. Das Risiko eines Totalverlusts, das bei Biotech-Einzelwerten immer mitschwingt, ist hier eliminiert – allerdings auf Kosten der explosiven Chancen.

Fazit: Spekulation oder Sicherheitshafen?

Das Duell ist entschieden, indem es keines mehr ist.

Evotec ist die Wahl für den aktiven, risikofreudigen Investor. Die Aktie bietet nach dem Absturz und den ersten Anzeichen einer Stabilisierung ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis für alle, die an die technologische Exzellenz des Unternehmens glauben. Die Volatilität wird hoch bleiben, doch das Aufwärtspotenzial bei erfolgreicher Exekution der neuen Strategie ist enorm.

Das Kapitel Morphosys ist für den spekulativen Anleger geschlossen. Wer dem Unternehmen treu bleiben will, muss zum konservativen Novartis-Aktionär werden. Das ist keine schlechte Option für sicherheitsorientierte Depots, hat aber mit dem ursprünglichen Biotech-Nervenkitzel nichts mehr zu tun. Die Wette auf den großen Durchbruch ist einer soliden Substanzanlage gewichen.

Evotec-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Evotec-Analyse vom 17. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Evotec-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Evotec-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Evotec: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Evotec Jahresrendite