Die Eskalation im Nahen Osten und der damit verbundene Anstieg der Rohölpreise rücken die großen Energiekonzerne in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Für ExxonMobil zeichnet sich nach einer Phase moderaterer Ergebnisse ein außergewöhnlich starkes zweites Quartal 2026 ab. Während politische Spannungen die Versorgungssicherheit am Persischen Golf gefährden, profitiert der US-Konzern operativ von den steigenden Notierungen für Brent und WTI sowie von einer massiven Ausweitung der Raffineriemargen.
Massive Gewinnsteigerung im zweiten Quartal erwartet
Laut Einschätzungen von OilPrice.com könnte ExxonMobil für das zweite Quartal 2026 einen Nettogewinn zwischen 15,9 und 19 Milliarden US-Dollar ausweisen. Dies entspräche mehr als einer Verdreifachung des Ergebnisses im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres. Getrieben wird diese Entwicklung durch den US-Iran-Konflikt, der den Ölpreis zeitweise über die Marke von 120 US-Dollar pro Barrel hob, bevor er sich zuletzt im Bereich um 80 US-Dollar stabilisierte.
Parallel zum Rohölmarkt stiegen auch die sogenannten Crack Spreads – die Differenz zwischen Rohölpreis und den Erlösen für raffinierte Produkte wie Diesel und Benzin – auf Rekordniveau. Analysten führen dies auf Versorgungsengpässe zurück, die unter anderem durch den Ausfall russischer Raffineriekapazitäten und Exportverbote für Diesel aus Russland verschärft wurden. Die US-Raffinerien des Sektors arbeiteten zuletzt mit einer Auslastung von über 95 Prozent, um die sinkenden Lagerbestände auszugleichen.
Strategische Expansion im Irak und in Guyana
Neben dem volatilen Marktumfeld treibt ExxonMobil seine langfristige Wachstumsstrategie voran. Berichten zufolge hat der Konzern Kontakt mit der irakischen Regierung aufgenommen, um eine Übernahme des Mehrheitsanteils von Lukoil am Ölfeld West Qurna 2 in der Nähe von Basra zu prüfen. Bisher haben weder Exxon noch der russische Ölproduzent Lukoil zu diesem möglichen Schritt offiziell Stellung genommen.
In Südamerika sorgt unterdessen eine finanzielle Diskrepanz für Diskussionen. ExxonMobil Guyana meldete bis Ende 2025 eine Kostenbank von über 55 Milliarden US-Dollar, wovon bereits 51 Milliarden US-Dollar zurückgeholt wurden. Berichte von News Americas Now weisen jedoch auf eine Differenz von rund 6,7 Milliarden US-Dollar zwischen den von der Bank of Guyana gemeldeten Öleinnahmen und den Berechnungen auf Basis der Kostenrückholung hin. Es steht die Frage im Raum, ob dem Staat Guyana dadurch Einnahmen in Höhe von fast einer Milliarde US-Dollar fehlen.
Analysten heben die Kursziele an
Die finanzielle Stärke des Konzerns spiegelt sich auch in der Bewertung durch die Bankhäuser wider. Von insgesamt 22 beobachtenden Analysten vergeben elf ein „Buy“ und einer ein „Strong Buy“, während zehn Experten zum Halten raten. Das durchschnittliche Konsensziel liegt bei 164,45 US-Dollar.
Besonders optimistisch zeigt sich Barclays, wo das Kursziel auf 182 US-Dollar angehoben und die Einstufung „Overweight“ bestätigt wurde. Mizuho hingegen senkte das Ziel leicht auf 170 US-Dollar, bleibt damit aber weiterhin über dem aktuellen Marktniveau. Die Citigroup behält ihre neutrale Einschätzung bei. Für die Aktionäre bleibt die Dividendenpolitik ein stabiler Anker: ExxonMobil zahlt aktuell eine Quartalsdividende von 1,03 US-Dollar, was einer Rendite von etwa 3,0 Prozent entspricht.
Zusätzlich setzt das Unternehmen auf den Ausbau seines LNG-Portfolios. Bis zum Jahr 2030 plant ExxonMobil, die Kapazitäten durch vier Großprojekte auf jährlich 40 Millionen Tonnen zu verdoppeln, um von der weltweit prognostizierten Nachfragesteigerung bei Flüssigerdgas zu profitieren. Kursseitig reagierten die Papiere in den vergangenen Handelstagen positiv auf die Kombination aus hohen Energiepreisen und soliden operativen Kennzahlen.
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