Führungsvakuum trifft auf Baustopp — bei Fermi Inc. klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Nach dem Rücktritt von CEO Toby Neugebauer hat nun auch Finanzchef Miles Everson das Unternehmen verlassen. Während der Konzern unter dem Label „Fermi 2.0“ den Neuanfang probt, stockt das wichtigste Infrastrukturprojekt in Texas.

Strategischer Umbau ohne Chef

Die Suche nach einem neuen Chef läuft bereits. Fermi beauftragte die Personalberatung Heidrick & Struggles mit der Auswahl. Parallel dazu übernahm Marius Haas den Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden. Das Unternehmen bezog neue Büros in Dallas, um den strategischen Wandel voranzutreiben.

Der operative Motor stottert jedoch gewaltig. Das „Project Matador“, ein riesiger KI-Datenzentrumscampus auf 5.800 Hektar, kommt nicht voran. Die Bauarbeiten auf dem texanischen Gelände stehen still. Bisher gelang es Fermi nicht, einen kommerziellen Mieter für die Anlage zu gewinnen.

Leere Kassen und juristisches Nachspiel

Die finanzielle Lage spiegelt diese Unsicherheit wider. Im letzten Quartal 2025 verbuchte Fermi einen Nettoverlust von 133,20 Millionen Dollar. Die operativen Ausgaben lagen bei rund 134 Millionen Dollar.

Umsatz erzielte das Unternehmen in diesem Zeitraum nicht. An der Börse herrscht entsprechend schlechte Stimmung. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie bereits über 42 Prozent an Wert.

Insider verkauften in den vergangenen 90 Tagen 13,4 Millionen Aktien. Parallel dazu belasten Klagen von Aktionären die Stimmung. Zur Überbrückung nutzt der Konzern eine Finanzierungsvereinbarung über 156,25 Millionen Dollar.

Analysten bewerten die Lage unterschiedlich. Cantor Fitzgerald stuft das Papier weiterhin mit „Overweight“ ein und nennt ein Kursziel von 8 Euro. Der Kurs liegt aktuell bei 4,34 Euro.

Die Neubesetzung der Führungspositionen wird über die Glaubwürdigkeit der neuen Strategie entscheiden. Ohne einen zahlenden Mieter für das texanische Großprojekt bleibt die Finanzierung der operativen Kosten eine Daueraufgabe.