Große Pläne treffen auf leere Kassen. Fintechwerx drängt mit einer neuen Zahlungslösung in das gewaltige Händler-Ökosystem von Shopify und treibt parallel zwei Übernahmen voran. An der Börse dominiert indes nackte Panik: Allein am Freitag brach der Kurs um fast 28 Prozent auf 0,35 Euro ein.
Shopify-Offensive auf Bewährung
Das kanadische Unternehmen testet aktuell seine neueste Software. EMTWerx 2.0 steht Shopify-Händlern ab sofort über eine direkte Anmeldeseite zur Verfügung. Der eigentliche Ritterschlag steht noch aus. Fintechwerx hat die Anwendung für den offiziellen Shopify App Store eingereicht, wartet aber auf die Freigabe.
Die Plattform wickelt automatisierte Interac-Transfers, Zahlungsabwicklungen und das Reporting ab. Das Ziel ist eine Komplettlösung für kanadische Händler und internationale Verkäufer. Angesichts eines Quartalsumsatzes von über 100 Milliarden Dollar im Shopify-Ökosystem lockt ein enormer Markt. Ohne das grüne Licht des E-Commerce-Riesen bleibt die Tür zur breiten Masse jedoch verschlossen.
Zukäufe mit eigenen Aktien
Auf technologischer Seite baut das Management das Portfolio weiter um. Über die Tochtergesellschaft TrustWerx Solutions schloss Fintechwerx die erste Tranche der Übernahme von High Risk Shield ab. Das Tool zur Betrugsprävention bezahlt das Unternehmen über meilensteinbasierte Aktienausgaben. Sobald die Technik integriert ist, fließen 325.000 Papiere. Weitere Tranchen folgen bei steigenden Nutzerzahlen.
Parallel dazu unterzeichneten die Kanadier eine unverbindliche Absichtserklärung für die Plattform „Ruby Loans“. Die Software automatisiert die Kreditvergabe für kleine und mittlere Unternehmen. Den Kaufpreis von maximal 550.000 kanadischen Dollar will Fintechwerx in bar und in Aktien begleichen.
Extreme Volatilität und akute Geldnot
Die Diskrepanz zwischen Expansion und Realität sorgt am Markt für extreme Ausschläge. Die annualisierte Volatilität der Aktie liegt bei astronomischen 258 Prozent. Anfang Juni setzte die kanadische Aufsichtsbehörde CIRO den Handel sogar für 90 Minuten aus. Zuvor war das Papier bei hohem Volumen um 57 Prozent nach oben geschossen. Das Management erklärte pflichtgemäß, keine Kenntnis von wesentlichen Änderungen zu haben.
Ein Blick auf die Bilanz erklärt die Nervosität der Anleger. Fintechwerx verfügt lediglich über rund 84.000 kanadische Dollar an Barmitteln. Dem steht ein vierteljährlicher Cashburn von über 340.000 Dollar gegenüber. Der Umsatz bleibt derweil marginal, während sich die operativen Verluste in Richtung der Millionenmarke bewegen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 80 Prozent an Wert verloren.
Im späten August präsentiert Fintechwerx die nächsten Quartalszahlen. Dieser Termin wird zum harten Realitätscheck. Bis dahin muss das Management beweisen, dass die Shopify-Integration und die neuen Zukäufe erste messbare Einnahmen generieren. Gelingt das nicht, dürfte der ohnehin knappe finanzielle Spielraum endgültig aufgebraucht sein.
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