First Solar gerät juristisch und operativ massiv unter Druck. Eine Serie von Sammelklagen wegen Betrugsvorwürfen belastet die Stimmung der Investoren. Der Kernvorwurf wiegt schwer: Das Management soll über die tatsächliche Fähigkeit getäuscht haben, die Auswirkungen von US-Handelszöllen abzufedern.

Mehrere internationale Kanzleien rufen geschädigte Aktionäre dazu auf, sich den juristischen Schritten anzuschließen. Bis zum 24. August 2026 können Investoren den Status als Hauptkläger beantragen. Im Fokus steht die Behauptung, First Solar habe seine Widerstandsfähigkeit gegen Handelsbarrieren sowie die Effizienz der Produktionsverlagerung in die USA geschönt dargestellt.

Teure Produktionsfehler und stornierte Aufträge

Die Börse reagierte empfindlich auf die zunehmenden Unsicherheiten. Anfang Januar 2026 sackte der Kurs bereits um gut zehn Prozent ab. Ende Februar folgte ein weiterer Einbruch um rund 13 Prozent, nachdem BP-Tochtergesellschaften einen Großauftrag über 6,6 Gigawatt storniert hatten.

Aktuell notiert das Papier bei 193,20 Euro. Damit liegt der Kurs deutlich unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von etwa 204 Euro. Seit dem Jahreshoch im Juni 2026 hat die Aktie rund 30 Prozent an Wert verloren.

Hohe Kosten für den US-Umbau

Die Rückverlagerung der Produktion aus Malaysia und Vietnam in die USA belastet die Bilanz stärker als gedacht. First Solar bezifferte die Onshoring-Kosten zuletzt auf 330 Millionen Dollar. Parallel dazu herrscht in der gesamten Solarbranche Unsicherheit, da wichtige Zolluntersuchungen der US-Behörden bis August 2026 aufgeschoben wurden.

Das Unternehmen setzt strategisch auf eine spezielle Dünnschicht-Technologie. Diese ist oft von Zöllen befreit, die Wettbewerber für siliziumbasierte Module zahlen müssen. Trotz dieses theoretischen Vorteils überlagern die juristischen Risiken derzeit die operativen Aussichten.

Analysten hoffen auf das nächste Quartal

Das Bild unter den institutionellen Anlegern bleibt gespalten. Während einige Pensionsfonds ihre Positionen zuletzt massiv ausbauten, zogen sich andere Großinvestoren vollständig zurück. Analysten trauen der Aktie im Schnitt dennoch ein Kursziel von 254,31 Euro zu und stufen das Papier als moderaten Kauf ein.

Ende Juli 2026 legt First Solar die nächsten Quartalsergebnisse vor. Dann muss die Führungsebene Farbe bekennen. Neue Details zu den Onshoring-Kosten und zum Status der verbliebenen Großprojekte werden die Richtung für den restlichen Sommer vorgeben.