Während das Unternehmen einen bedeutenden Lieferauftrag für eines der größten Solarprojekte in den USA sichern konnte, sieht es sich gleichzeitig mit juristischem Druck durch eine Sammelklage konfrontiert. Zudem sorgt die Neuausrichtung der US-Handelspolitik für ein dynamisches Umfeld im gesamten Sektor.
Vorwürfe wegen irreführender Aussagen
Mehrere US-Anwaltskanzleien, darunter Pomerantz LLP und Bronstein, Gewirtz & Grossman LLC, treiben derzeit eine Sammelklage gegen First Solar voran. Die Klage betrifft Investoren, die zwischen dem 26. Februar 2025 und dem 24. Februar 2026 Aktien des Unternehmens erworben haben. Der Vorwurf lautet auf Wertpapierbetrug. Demnach soll First Solar die eigene Fähigkeit, die finanziellen Auswirkungen von Schutzzöllen zu bewältigen, übertrieben dargestellt haben.
Gleichzeitig wird dem Management vorgeworfen, die negativen Effekte einer Unterauslastung der Produktionsstätten in Malaysia und Vietnam sowie die Folgen der Verlagerung von Kapazitäten in die USA verschwiegen zu haben. In der Folge kam es bereits in der Vergangenheit zu deutlichen Kursrückschlägen: Am 7. Januar 2026 verlor die Aktie nach einer Abstufung durch Jefferies 10,29 Prozent, gefolgt von einem weiteren Minus von 13,61 Prozent am 25. Februar 2026 nach einem Bericht von Baird über einen Gewinnrückgang. Interessierte Anleger haben bis zum 24. August 2026 Zeit, sich als Hauptkläger für das Verfahren im Eastern District of New York zu melden.
Zentrale Rolle im Steel River Energy Center
Trotz der rechtlichen Hürden festigt First Solar seine operative Marktposition durch Großaufträge. Das Unternehmen ist als Modullieferant maßgeblich am Bau des Steel River Energy Center in Arkansas beteiligt. Dieses Projekt, das von Cypress Creek in Kooperation mit Google entwickelt wird, umfasst eine Solarkapazität von 2,5 Gigawatt (GWdc) und einen Batteriespeicher von 2,9 Gigawattstunden (GWh).
Die Investitionssumme für das Vorhaben beläuft sich auf über 4,5 Milliarden US-Dollar. First Solar stellt dabei einen zentralen Bestandteil der US-basierten Lieferkette dar. Die ersten beiden Phasen des Projekts sollen bis 2029 abgeschlossen sein und etwa 1,6 GWdc an Solarleistung bereitstellen. Für die Finanzierung von rund 3,5 Milliarden US-Dollar zeichnen Institute wie Barclays, BNP Paribas, Santander und Wells Fargo verantwortlich. Google tritt bei dem Projekt als fester Abnehmer des erzeugten Stroms auf.
Kapazitätsausbau und Marktumfeld
First Solar hat seinen Umsatzausblick auf eine Spanne von 4,9 bis 5,7 Milliarden US-Dollar angehoben. Als Grund nennt das Unternehmen unter anderem die positiven Effekte durch Handelsbeschränkungen und Zölle. Bis zum Jahr 2027 plant der Konzern, alle sechs US-Produktionsstätten vollständig hochzufahren, was eine jährliche Kapazität von 17 GW im Inland bedeuten würde. Damit reagiert das Unternehmen auf den Trend zur Lokalisierung der Solar-Wertschöpfungskette.
An der Börse notierte der Wert zum Handelsschluss am Freitag bei 185,00 €. Damit liegt die Aktie zwar rund 21,20 Prozent über dem Niveau von vor zwölf Monaten, spiegelt aber auch die jüngsten Unsicherheiten im Sektor wider. Mit einem Abstand zum 52-Wochen-Hoch von -33,09 Prozent bleibt das Papier deutlich unter seinem im Juni 2026 erreichten Spitzenwert. Das Marktumfeld bleibt volatil, da am 24. Juli 2026 eine universelle 10-Prozent-Zollregelung ausläuft, die voraussichtlich durch neue Maßnahmen unter „Section 301“ mit Sätzen zwischen 10 und 12,5 Prozent ersetzt wird. Diese neuen Regelungen zielen insbesondere auf Länder ab, denen Zwangsarbeit bei der Produktion vorgeworfen wird.
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