Die Aktie des US-Solarherstellers First Solar steckt in einer Zwickmühle. Einerseits loben Analysten das Unternehmen und heben die Kursziele an. Andererseits drücken Handelskonflikte, Rechtsrisiken und ein schwacher Markt auf den Kurs. Am Mittwoch notiert die Aktie bei 195,60 Euro – ein Minus von 1,91 Prozent.

Deutsche Bank setzt auf „Kaufen“

Anfang Juli gab es ein klares Signal: Die Deutsche Bank stufte First Solar von „Halten“ auf „Kaufen“ hoch. Analystin Corinne Blanchard hob das Kursziel von 245 auf 272 Dollar an. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 17 Prozent.

Grund für den Optimismus ist eine erwartete Handelsentscheidung nach Section 232. Die Analysten rechnen damit, dass die US-Regierung im August eine feste Abgabe pro Watt auf Polysiliziumimporte erhebt. Das würde heimische Hersteller wie First Solar begünstigen.

Wells Fargo liegt mit einem Kursziel von 320 Dollar noch deutlich darüber. Die optimistischen Prognosen passen aber nicht zur aktuellen Kursentwicklung. In den vergangenen 30 Tagen verlor die Aktie 18,16 Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 276,50 Euro beträgt rund 29 Prozent.

Der RSI liegt bei 37,5 Punkten – nahe der überverkauften Zone. Ein technisches Signal, das auf eine mögliche Erholung hindeuten kann.

Handelsstreit und Klage belasten

Die Unsicherheit bleibt groß. Das US-Handelsbüro führt aktuell Anhörungen zu neuen Zöllen nach Section 301. Betroffen wären 60 Länder. Während einige Branchen die Abgaben befürworten, warnen große US-Konzerne vor höheren Kosten und gestörten Lieferketten.

Hinzu kommt ein juristisches Problem. Ende Juni wurde eine Sammelklage gegen First Solar eingereicht. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe zwischen Februar 2025 und Februar 2026 irreführende Aussagen zu seiner Zollresistenz und zu Produktionsproblemen in Südostasien gemacht. Anleger können sich bis Ende August als Hauptkläger melden.

Fundamentaldaten als Stütze

Trotz der Belastungen zeigt das Geschäft Stabilität. Im ersten Quartal 2026 erzielte First Solar einen Umsatz von 1,04 Milliarden Dollar. Die Jahresprognose liegt zwischen 4,9 und 5,2 Milliarden Dollar. Der Auftragsbestand beträgt 47,9 Gigawatt – ein Wert von rund 14,4 Milliarden Dollar bis 2030.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie 16,46 Prozent verloren. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die anstehenden Handelsentscheidungen die Wende bringen oder weitere Belastungen folgen. Klar ist: First Solar steht an einem entscheidenden Punkt zwischen Analystenoptimismus und realen Risiken.