Fiserv steckt in einer Zwickmühle. Das Unternehmen kämpft mit einem verlorenen Gerichtsantrag, einem massiven Schuldenpaket und einem Kurssturz von über 70 Prozent in zwölf Monaten. Ein Richter in Kalifornien hat den Antrag von Fiserv auf Abweisung einer Klage abgelehnt. Jetzt müssen alle acht Klagepunkte verhandelt werden.
Eine Kreditgenossenschaft wirft dem Zahlungsdienstleister vor, unzureichende Cybersicherheitsmaßnahmen getroffen zu haben. Die Folge: sensible Kundendaten sollen offengelegt worden sein. Das Verfahren erhöht das rechtliche und das Reputationsrisiko für Fiserv – ausgerechnet in einer Phase des Umbruchs.
Schuldenumbau als Parallelstrategie
Parallel zum Gerichtsverfahren arbeitet das Management an der Bilanz. Fiserv hat ein milliardenschweres Rückkaufangebot gestartet. Bis zu 2,75 Milliarden Dollar will das Unternehmen für ausstehende Anleihen ausgeben, darunter die 5,150-Prozent-Senior-Notes mit Fälligkeit 2027. Dazu kommen Pläne für neue Anleihen in Euro. Das Ziel: die Zinslast drücken und die Fälligkeitsstruktur glätten.
Die operative Führung hat sich erst kürzlich verändert. Takis Georgakopoulos ist neuer Chef. Er übernimmt ein Unternehmen, das mit einem drastischen Kursverfall kämpft und sich zugleich um einen juristischen Imageschaden kümmern muss.
Kursniveau mit wenig Spielraum
Die Aktie notiert bei 43,05 Euro – ein Tagesplus von 1,41 Prozent. Der Schein trügt. Auf Monatssicht hat der Kurs 15,26 Prozent verloren. Gemessen am Allzeithoch von fast 150 Euro fehlen über 70 Prozent. Das 52-Wochen-Tief liegt bei 40,95 Euro. Der Abstand dorthin beträgt nur etwas mehr als fünf Prozent.
Der RSI von 44,3 signalisiert weder überkauft noch überverkauft. Doch die Spanne zwischen Tief und Hoch ist riesig. Anleger beobachten genau, ob die Marke von 40 Euro hält.
Ausblick mit Fragezeichen
Analysten von Raymond James haben ihr Rating auf „Market Perform“ gesenkt. Ihr Grund: das nachlassende organische Wachstum in den Einheiten Financial Services und Clover. Andere Experten verweisen auf die hohe Kundenbindung in Fiservs Kerngeschäft.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das neue Management den Rechtsstreit eindämmen kann. Und ob die Schuldenrückkäufe den Finanzrahmen stabilisieren. Klar ist: Der Druck auf Fiserv ist auf mehreren Ebenen ungewöhnlich hoch.
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