Flex hat heute die Übernahme von EPC Power abgeschlossen und damit den Ausbau seiner künftigen Axiom-Sparte vorangetrieben. Der Kaufpreis beträgt 4,4 Milliarden US-Dollar in bar, vorbehaltlich üblicher Anpassungen. Für Anleger rückt damit die Finanzierung der geplanten Abspaltung in den Mittelpunkt: Flex übernimmt zunächst die Kredite und trägt zusätzliche Risiken bei einer längeren Verzögerung.
Der heutige Kursrückgang von -7,9% unterstreicht die Skepsis am Markt. Bereits gestern belasteten Sorgen über die Finanzierung und Garantien rund um Axiom die Aktie. Der vollzogene Zukauf beseitigt diese Risiken nicht, sondern macht die nächsten Finanzierungsschritte wichtiger.
Übernahmekredite müssen abgelöst werden
Zur Finanzierung nutzt Flex einen Überbrückungskredit und ein Laufzeitdarlehen und setzt ergänzend vorhandene Liquidität ein.
Die Finanzierung verbindet den abgeschlossenen Kauf mit der noch ausstehenden Neuordnung des Konzerns. Das Laufzeitdarlehen soll zurückgezahlt werden, sobald Axiom seine Kreditfazilität für die Abspaltung finanziert. Die Ablösung dieser Verbindlichkeit hängt somit an einem weiteren Transaktionsschritt.
Für den Überbrückungskredit gelten Finanzkennzahlen, die Flex jeweils zum Quartalsende einhalten muss. Das Verhältnis von Verschuldung zu EBITDA darf höchstens 4,50:1 betragen. Die Zinsdeckung muss mindestens 3,00:1 erreichen.
Diese Bedingungen begrenzen den finanziellen Spielraum während der Übergangsphase. Für Anleger zählt deshalb nicht allein der operative Beitrag von EPC Power. Ebenso wichtig ist, ob Flex die Zwischenfinanzierung wie vorgesehen durch die geplanten Axiom-Finanzierungen ablösen kann.
Vorzugsfinanzierung enthält Rückzahlungsrisiken
Eine vereinbarte Investition in Axiom-Vorzugsaktien über 2,0 Milliarden US-Dollar soll unter anderem Übernahmekredite von Flex zurückzahlen. Sie steht noch unter Bedingungen und behördlichen Genehmigungen. Die Vereinbarung setzt Axioms anfänglichen Unternehmenswert auf 37,5 Milliarden US-Dollar.
Kaufabschluss und endgültige Finanzierung sind daher nicht gleichzusetzen. EPC Power gehört bereits zu Flex, während die Vorzugsinvestition noch nicht abschließend vollzogen ist. Hinzu kommt eine Garantie, die bei einer erheblichen Verzögerung der Abspaltung Flex selbst belasten kann.
Erfolgt die Trennung nicht bis zum 31. Dezember 2027, garantiert Flex eine Rückzahlung zu 115% des Kaufpreises in bar oder 125% in Flex-Aktien. Bereits gezahlte Bardividenden werden abgezogen.
Die Garantie macht den Zeitplan auch für die bisherigen Flex-Aktionäre finanziell relevant. Eine Verzögerung wäre nicht nur eine organisatorische Frage: Sie könnte eine Barzahlung oder eine Rückzahlung in Aktien auslösen.
Nicht gezahlte Beträge werden jährlich mit 12% verzinst. Vor der Trennung sehen die Vorzugsaktien außerdem eine Bardividende von 10% vor.
Auch nach der Abspaltung bleibt die Finanzierung mit Ausschüttungsansprüchen verbunden. Dann beträgt die Dividende wahlweise 6% in bar oder 7% als Sachleistung. Die Konditionen sind damit ein wesentlicher Bestandteil der Bewertung von Axiom.
EPC Power stärkt das künftige Axiom
Operativ ergänzt EPC Power das Cloud- und Power-Infrastruktursegment um Stromumwandlungs- und netzbildende Technologie. Laut Flex unterstützt sie Netzstabilisierung, Notstromversorgung und Rechenzentrumsarchitekturen. Das Segment soll im ersten Kalenderquartal 2027 als Axiom Solutions International ausgegliedert werden.
Für die Wachstumsseite spricht die Erwartung von Flex, dass Axiom im Geschäftsjahr 2028 mindestens 80 % mehr Umsatz erzielt. Paul Meeks nennt bei CNBC ein mögliches Flex-Kursziel von 150 US-Dollar.
Meeks knüpft seine positive Einschätzung an die Nachfrage nach KI-Rechenzentren und eine bessere operative Marge. Schwächere Investitionen oder ausbleibende Margenfortschritte würden diese These belasten. Der Kauf erweitert somit das Geschäft, ersetzt aber nicht den Nachweis profitablen Wachstums.
Für Anleger stehen operative Fortschritte und die Ablösung der Übernahmekredite gleichermaßen im Fokus. Erst deren Zusammenspiel entscheidet, ob der EPC-Power-Kauf die geplante Trennung stärkt, ohne Flex finanziell länger als vorgesehen zu binden.
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