TTP Research empfiehlt Fluence Energy heute zum Kauf – allerdings unter einer entscheidenden Bedingung: Die Engpässe im Werk Houston müssen gelöst werden. Das Analysehaus nennt ein Kursziel von 9 US-Dollar auf Sicht von zwölf Monaten. Damit steht nicht allein die Auftragslage im Mittelpunkt der Bewertung, sondern vor allem die Fähigkeit, Aufträge tatsächlich auszuliefern.

Auftragsbestand stützt die Kaufempfehlung

Als Argument für seine positive Einschätzung nennt TTP Research einen Auftragseingang von 1,44 Mrd. US-Dollar und einen Auftragsbestand von 6,4 Mrd. US-Dollar. Diese Größen unterstreichen das Geschäftspotenzial, auf das sich die Kaufthese stützt.

Für Anleger liegt die entscheidende Einschränkung in der Umsetzung. Ein hoher Auftragsbestand ersetzt keine funktionierende Fertigung. Gerade die Schwierigkeiten bei der Produktion haben bereits dazu geführt, dass Fluence Lieferungen verschieben und seine Erwartungen zurücknehmen musste. Die Empfehlung setzt deshalb eine operative Verbesserung voraus und beschreibt keinen bereits abgeschlossenen Turnaround.

Für Houston nennt die Analyse ein Produktionsziel von 10 Einheiten pro Tag bis 2027. Das ist eine Zielmarke, keine bestätigte Produktionsleistung. Ob Fluence dieses Niveau erreicht, ist damit ein wichtiger Prüfstein für die positive Einschätzung.

Frühere Prognosesenkung zeigt die Fallhöhe

Wie stark Fertigungsprobleme die Geschäftserwartungen beeinflussen können, verdeutlicht die erneute Prognosesenkung vor über einem Monat. Fluence reduzierte den erwarteten Umsatz für das Geschäftsjahr 2026 auf 2,4 Mrd. US-Dollar. Beim bereinigten EBITDA stellte das Unternehmen einen Verlust von 200 Mio. US-Dollar in Aussicht.

Die Belastung betrifft damit nicht nur den Zeitpunkt der Umsatzrealisierung, sondern auch die erwartete Profitabilität. Eine Entspannung in Houston wäre deshalb mehr als ein Fortschritt beim Produktionshochlauf: Sie wäre eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die von TTP Research beschriebene Erholungsthese trägt.

Bereits am 5. August hatte Fluence angekündigt, dass Projektlieferungen im Umfang von 400 Mio. US-Dollar wegen Produktions- und Bauverzögerungen ins Geschäftsjahr 2027 verschoben werden sollten.

Finanzierungsrisiken begrenzen die Zuversicht

TTP Research nennt neben weiteren Verzögerungen auch eine mögliche Verwässerung und Änderungen der Kreditfazilität als Risiken. Hinzu kommt die Kundenkonzentration nach der AES-Übernahme. Die Kaufempfehlung blendet mögliche Belastungen für Aktionäre damit nicht aus.

Die vor rund einem Monat eingereichte Sammelklage bildet einen zusätzlichen Hintergrund. Kläger werfen Fluence irreführende Aussagen zu Fertigungskapazitäten und Prognosen vor. Diese Vorwürfe sind keine gerichtlich festgestellten Tatsachen.

Die zentrale Aussage der heutigen Analyse bleibt operativ: Der Auftragsbestand liefert ein Argument für eine Erholung. Überzeugend wird diese These aber erst, wenn Fluence die Fertigungsengpässe überwindet und aus Aufträgen verlässlich Lieferungen macht.