Eine gesenkte Passagierprognose, geopolitische Spannungen im Nahen Osten und trotzdem gleich zwei Kaufempfehlungen mit ambitionierten Kurszielen — bei Fraport passt auf den ersten Blick nicht alles zusammen. Wer genauer hinschaut, erkennt aber, warum Analysten trotz schwacher Verkehrszahlen an ihrer positiven Einschätzung festhalten.

Weniger Passagiere in Frankfurt, bestätigter Finanzausblick

Der Flughafenbetreiber hat seine Prognose für das Passagieraufkommen 2026 am Frankfurter Drehkreuz eingedampft. Ursprünglich waren 65 bis 66 Millionen Fluggäste in Aussicht gestellt, nun rechnet Vorstandschef Stefan Schulte nur noch mit einem Niveau nahe dem Vorjahreswert von 63,2 Millionen. Im Juni sank das Passagieraufkommen in Frankfurt um 1,7 Prozent auf rund 5,7 Millionen, im ersten Halbjahr ging es um 0,8 Prozent auf 28,9 Millionen zurück.

Als Gründe nannte Schulte die Streiks bei der Lufthansa sowie den Konflikt im Nahen Osten samt Sorgen um Kerosin-Engpässe und steigende Ölpreise. An den internationalen Konzernflughäfen läuft es dagegen deutlich besser: Das Gesamtaufkommen der von Fraport gemanagten Airports legte im ersten Halbjahr um 1,0 Prozent auf 77,7 Millionen Passagiere zu, getrieben etwa von Ljubljana und den brasilianischen Standorten Fortaleza und Porto Alegre. Trotz der Frankfurt-Schwäche hält Fraport am Finanzausblick für das Gesamtjahr fest.

Analysten uneins über das Ausmaß, einig über die Richtung

Genau dieser bestätigte Finanzausblick treibt die positiven Einschätzungen. JPMorgan-Analystin Elodie Rall verweist darauf, dass der Rückgang in Frankfurt vor allem eine Kapazitätsverlagerung der Lufthansa nach München widerspiegelt — kein strukturelles Problem also. Jefferies bestätigt sein Kursziel von 95 Euro, warnt aber vor sinkenden Gewinnschätzungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich wegen der Nahost-Lage. Exane BNP Paribas geht mit einem Kursziel von 85 Euro sogar noch weiter: Analyst Dario Maglione sieht nach dem Ende der jahrelangen Investitionsphase eine kraftvolle Cashflow-Story entstehen, mit einer für 2028 erwarteten Rendite von 7 Prozent auf den Barmittelzufluss — mehr als doppelt so viel wie bei der Konkurrenz mit 3 Prozent.

Die für das zweite Quartal erwarteten schwächeren Ergebnisse hat der Markt nach Einschätzung von Maglione bereits eingepreist. Die Zahlen zum zweiten Quartal dürften zeigen, ob die Wette auf die Cashflow-Wende schon jetzt trägt.