Noch im Juni lag die Fresenius-Aktie bei rund 35 Euro, gedrückt von Sorgen um die deutsche Gesundheitsreform. Am Mittwoch steht sie bei über 47 Euro und führt den Dax an. Zwischen beiden Punkten liegt ein Quartalsbericht, der die Zweifel der vergangenen Monate ziemlich deutlich widerlegt.

Der Krankenhausbetreiber und Pharmahersteller hat seine Gewinnprognose für 2026 angehoben. Das bereinigte Kern-Ergebnis je Aktie soll nun währungsbereinigt um 10 bis 15 Prozent wachsen, bislang waren 5 bis 10 Prozent angepeilt. Die Aktie reagierte prompt und sprang zeitweise um 7,4 Prozent auf 47,64 Euro – der höchste Stand seit März.

Getragen wurde das zweite Quartal von soliden operativen Zahlen. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 5,86 Milliarden Euro, organisch legte er um sechs Prozent zu. Das Ebit kletterte währungsbereinigt um zehn Prozent auf 719 Millionen Euro, unter dem Strich blieben 470 Millionen Euro Gewinn übrig – nach 412 Millionen Euro im Vorjahr.

Kabi treibt, Helios stabilisiert

Haupttreiber der Entwicklung war wieder einmal die Sparte Kabi, spezialisiert auf klinische Ernährung, Biosimilars und Medizintechnik. Das Biopharma-Geschäft legte kräftig zu, angeführt vom Tocilizumab-Nachahmerpräparat Tyenne, das in den USA und Europa stark angelaufen ist. Die Marge der sogenannten Growth Vectors erreichte erstmals die strukturelle Zielspanne von 17 bis 19 Prozent. Für die gesamte Kabi-Sparte rechnet der Konzern nun mit einer Marge am oberen Ende der Zielspanne von 16,5 bis 17,0 Prozent.

Die Klinikkette Helios steuerte ebenfalls solide Zahlen bei, mit höheren Fallzahlen und günstigeren Preiseffekten. Konzernchef Michael Sen zeigte sich zudem gelassen gegenüber den Folgen des GKV-Stabilisierungsgesetzes, das die Vergütungen im Krankenhausbereich begrenzt. Das Gesetz schaffe einen konstruktiven Rahmen für anhaltendes Wachstum der Erstattung, ließ er in der Mitteilung zum Bericht verlauten.

Analysten sehen Nachholbedarf

JPMorgan-Analyst David Adlington verwies darauf, dass Fresenius die durchschnittlichen Markterwartungen bei operativem Ergebnis und Nettogewinn übertroffen habe. Die Aktie werde derzeit mit einem Abschlag gehandelt und könnte von den gestiegenen Erwartungen profitieren, so seine Einschätzung. Jefferies-Analyst James Vane-Tempest lobte das beschleunigte Wachstum bei Kabi und die stabile Profitabilität bei Helios.

Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr bleibt derweil unverändert: Organisch soll der Erlös um vier bis sieben Prozent zulegen. Nach der Erholung der vergangenen Wochen von fast 30 Prozent seit dem Jahrestief dürfte sich das Interesse nun darauf richten, ob Fresenius das angehobene Gewinnziel im weiteren Jahresverlauf auch bestätigen kann.