Fujikura steht vor einer entscheidenden Hauptversammlung. Am 26. Juni stimmt das Aktionariat über einen weitreichenden Umbau der Unternehmensführung ab. Die Stimmung könnte kaum besser sein. Ein massiv angehobener Gewinnausblick treibt den Kurs.

Die Aktie notiert aktuell bei 34,15 Euro. Auf Monatssicht steht ein Plus von fast 18 Prozent auf der Anzeigetafel. Auch die kurzfristige Dynamik überzeugt mit einem Wochengewinn von gut zehn Prozent.

Der RSI signalisiert mit 56 Punkten ein gesundes Marktumfeld. Die hohe Volatilität von 148 Prozent zeigt allerdings das lebhafte Handelsinteresse.

Neuer Prüfer, neue Boni

Auf der Agenda steht ein historischer Wechsel. Deloitte soll künftig die Bilanzen prüfen. Damit endet die über 60-jährige Zusammenarbeit mit PwC Japan. Der Aufsichtsrat erhofft sich davon frische Perspektiven. Die Prüfungsqualität soll dabei konstant bleiben.

Parallel dazu baut das Management die Vergütung um. Ein neues Aktienprogramm bindet die Vorstandsgehälter stärker an den Unternehmenserfolg. Das Volumen ist auf 500 Millionen Yen pro Jahr gedeckelt.

Auch die Belegschaft profitiert. Ein separates Anreizsystem verknüpft Boni mit dem Managementplan bis 2028. Dafür überträgt Fujikura eigene Aktien im Wert von rund 1,8 Milliarden Yen. Die Verwässerung für bestehende Aktionäre fällt mit 0,02 Prozent minimal aus.

KI-Boom treibt Gewinne

Die gute Laune der Investoren kommt nicht von ungefähr. Erst letzte Woche schraubte Fujikura die Jahresprognose drastisch nach oben. Das operative Ergebnis soll nun 310 Milliarden Yen erreichen. Zuvor lag das Ziel bei lediglich 211 Milliarden Yen.

Auch der Nettogewinn für das Geschäftsjahr 2027 klettert voraussichtlich auf 229 Milliarden Yen. Der Grund für den Optimismus ist die rasant steigende Nachfrage nach Glasfaserkabeln. Betreiber von KI-Rechenzentren reißen dem Unternehmen die Produkte förmlich aus den Händen.

Fast alle großen US-Hyperscaler bestellen derzeit bei den Japanern. Das verknappt das Angebot spürbar. Fujikura teilt sich den High-End-Markt primär mit Sumitomo Electric und Furukawa Electric. Diese Marktstellung verleiht dem Trio eine enorme Preissetzungsmacht.

CEO Naoki Okada nutzt diese Position aktiv. Er setzt höhere Preise bei den Kunden durch. Entspannte Lieferketten bei Wasserstoff stützen die Marge zusätzlich. Die Folge: Die Aktie schoss nach der angehobenen Prognose ans obere Tageslimit der Tokioter Börse.

Blick nach vorn

Ein Detail aus dem aktuellen Geschäftsbericht mahnt dennoch zur Vorsicht. Fujikura bildet Rückstellungen für mögliche US-Strafzölle auf importierte Produkte. Das trübt die Kauflaune bisher aber kaum.

Die Aktionäre stimmen nun über die neue Führungsstruktur ab. Die Dividende fließt dann ab dem 29. Juni. Der nächste wichtige Termin folgt im August mit den Quartalszahlen. Dann muss das Management beweisen, dass es die ehrgeizigen Wachstumspläne operativ umsetzt.