Starke Zahlen, schwacher Kurs — bei General Motors passt das eine nicht zum anderen. Der Autobauer hat im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen der Analysten klar übertroffen und die Jahresprognose zum zweiten Mal angehoben. Die Aktie fiel im vorbörslichen Handel trotzdem um mehr als ein Prozent.

Adjusted stark, GAAP schwach

Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 3,57 Dollar, deutlich über dem Analystenkonsens von rund 3,18 bis 3,20 Dollar. Der Umsatz stieg um 1,9 Prozent auf 48,0 Milliarden Dollar, das bereinigte EBIT legte um knapp 30 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar zu. Nordamerika, mit Abstand das wichtigste Marktsegment, verbesserte seine Marge auf 8,6 Prozent von 6,1 Prozent im Vorjahr — trotz eines Absatzrückgangs von vier Prozent.

Unter dem Strich blieb davon allerdings wenig übrig. Der GAAP-Nettogewinn brach um 31 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar ein, nach rund 1,9 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Grund waren Restrukturierungskosten von etwa 2,3 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit dem Umbau der Elektrofahrzeug-Fertigung.

Warum der Markt zögert

Genau dieser Bruch zwischen bereinigtem Rekord und GAAP-Rückgang dürfte die verhaltene Reaktion erklären. Hinzu kommt die Entwicklung im Elektrofahrzeug-Geschäft: Bei mehreren Modellen brachen die Verkaufszahlen um mehr als 60 Prozent ein, während sich gleichzeitig die Nachfrage nach klassischen Verbrennern und SUVs als Gewinntreiber erwies. Die gesamten US-Auslieferungen sanken um 4,2 Prozent auf etwa 715.000 Fahrzeuge.

Ein weiterer Dämpfer: Insider hatten in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von rund 61 Millionen Dollar verkauft — ein Signal, das manche Marktbeobachter als vorsichtige Positionierung aus dem Unternehmen selbst deuten. Der breite Markt bot der Aktie an diesem Tag zudem keinen Rückenwind: S&P 500, Dow Jones und Nasdaq notierten höher, die Schwäche bei GM war damit klar unternehmensspezifisch. Nach einem Kursplus von rund 55 Prozent in den zwölf Monaten vor dem Bericht war die Messlatte für Anleger entsprechend hoch gelegt.

Belastend bleiben zudem die Zollkosten. GM rechnet weiterhin mit einer Ergebnisbelastung von 2,5 bis 3,5 Milliarden Dollar durch Handelszölle, hinzu kommen 1,5 bis 2 Milliarden Dollar durch teurere Rohstoffe, Chips und Logistik. CEO Mary Barra kündigte im Aktionärsbrief an, weitere Fertigung in die USA zurückzuverlagern, um die Zollabhängigkeit zu senken.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet GM nun ein bereinigtes EBIT zwischen 14,0 und 16,0 Milliarden Dollar, nach zuvor 13,5 bis 15,5 Milliarden Dollar. Der Vorstand beschloss zudem eine Quartalsdividende von 0,18 Dollar je Aktie, zahlbar am 17. September 2026 an Aktionäre, die am 4. September 2026 im Bestand sind.