Genmabs Erfolg mit Petosemtamab hat am Donnerstag höhere Kursziele von Analysten nach sich gezogen. Den Anlass lieferte die am Mittwoch gemeldete Phase-III-Studie LiGeR-HN1: Die Kombination mit Pembrolizumab senkte das Sterberisiko gegenüber Pembrolizumab allein um 50%. Für Anleger stärkt das Ergebnis die klinische Grundlage des Wirkstoffs. Eine Zulassung ist damit noch nicht verbunden; Genmab plant Gespräche mit den weltweiten Aufsichtsbehörden.

Überlebensvorteil im direkten Vergleich

LiGeR-HN1 untersuchte die Erstbehandlung von Patienten mit PD-L1-positivem, wiederkehrendem oder metastasiertem Kopf-Hals-Krebs. Nach Unternehmensangaben erreichte die Studie beide primären Endpunkte: das Gesamtüberleben und die objektive Ansprechrate. Der berichtete Nutzen bestand unabhängig vom HPV-Status.

Entscheidend ist der direkte Vergleich mit Pembrolizumab allein. Damit liefert die Studie einen Wirksamkeitsnachweis gegenüber dieser Behandlung und nicht lediglich Ergebnisse einer einzelnen Patientengruppe. Genmab bezeichnete die Verbesserung des Gesamtüberlebens als statistisch signifikant und klinisch bedeutsam.

Bereits am Montag hatte das Unternehmen ergänzende Ergebnisse einer Phase-II-Studie zur gleichen Kombination vorgestellt. Diese bilden den klinischen Hintergrund der später gemeldeten Vergleichsdaten.

Bei den hinsichtlich der Wirksamkeit auswertbaren Patienten betrug das mediane Gesamtüberleben 28,2 Monate. Die objektive Ansprechrate erreichte 63%, das mediane progressionsfreie Überleben lag bei 9,0 Monaten.

Diese Ergebnisse und die neue Vergleichsstudie beantworten unterschiedliche Fragen. Die früheren Daten beschreiben die beobachtete Wirksamkeit der Kombination. LiGeR-HN1 zeigt dagegen den Vorteil gegenüber Pembrolizumab allein. Für die regulatorischen Gespräche steht damit ein direkter Behandlungsvergleich im Mittelpunkt.

Analysten erhöhen ihre Erwartungen

Morgan Stanley hob das Kursziel am Donnerstag auf 57 $ an und behielt die Einstufung „Equal-Weight“ bei. Truist Securities erhöhte am selben Tag das Ziel auf 67 $ und bestätigte die Kaufempfehlung.

Beide Häuser reagierten somit mit höheren Zielmarken, kamen bei der Anlageempfehlung aber weiterhin zu unterschiedlichen Einschätzungen. Die positiven Studiendaten führten nicht zu einer einheitlichen Kaufempfehlung. Höhere Kursziele und unveränderte Einstufungen müssen deshalb getrennt betrachtet werden.

Die Börse honorierte den klinischen Fortschritt deutlich: Im Siebentagesvergleich gewann Genmab 31%. Der starke Kursanstieg unterstreicht die Bedeutung der Nachricht, nimmt den weiteren regulatorischen Prozess jedoch nicht vorweg.

Weitere Studien stärken den klinischen Hintergrund

Der Erfolg bei Kopf-Hals-Krebs steht nicht isoliert. Am 23. Oktober meldete Genmab positive Ergebnisse für Rinatabart Sesutecan, kurz Rina-S, bei platinresistentem Eierstockkrebs. Die Studie RAINFOL-02 erreichte sowohl den primären Endpunkt zum progressionsfreien Überleben als auch den wichtigen sekundären Endpunkt zum Gesamtüberleben.

Auch für dieses Programm plant Genmab regulatorische Gespräche. Damit stehen hinter der Kursentwicklung mehrere klinische Fortschritte, nicht nur eine einzelne Erfolgsmeldung. Die Programme betreffen allerdings unterschiedliche Wirkstoffe und Erkrankungen; ihre Ergebnisse sind nicht gleichzusetzen.

Der nächste bestätigte Unternehmenstermin ist der 5. November. Dann will Genmab den Zwischenbericht für die ersten neun Monate 2026 veröffentlichen. Die zentrale Aussage der jüngsten Nachrichten bleibt der nachgewiesene Überlebensvorteil von Petosemtamab plus Pembrolizumab – und dessen Bedeutung für den geplanten Austausch mit den Behörden.