Ein Angebot über 41 Euro je Aktie — mehr als doppelt so hoch wie der damalige Börsenkurs — hat Gerresheimer im April abgelehnt. Der US-Verpackungskonzern Silgan Holdings hatte die unverbindliche Offerte im März signalisiert. Das Düsseldorfer Management entschied sich dagegen und setzt stattdessen auf einen eigenen Sanierungsweg.
Centor-Verkauf als Entschuldungshebel
Das zentrale Instrument ist der Verkauf der US-Tochter Centor Inc., die sich auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente spezialisiert hat. Der Prozess läuft: Eine zweistellige Anzahl von Interessenten ist bereits im Rennen, Morgan Stanley begleitet die Transaktion. Gerresheimer rechnet noch in diesem Jahr mit dem Abschluss. Ende 2024 stand Centor mit 292 Millionen Euro in den Büchern.
Parallel dazu konzentriert sich das Management auf die Aufarbeitung seiner Bilanzprobleme — der eigentliche Auslöser der gesamten Krise.
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Bilanzkrise mit mehreren Baustellen
Im Kern stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen: Gerresheimer stellte Kunden Waren in Rechnung, lieferte sie aber erst später aus — und buchte Umsätze zu früh. Eine unabhängige Anwaltskanzlei bestätigte systematische IFRS-Verstöße, die sich auf 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA summierten.
Die BaFin hatte im September 2025 eine Prüfung eingeleitet und diese Anfang März 2026 ausgeweitet. Dabei geht es um falsch erfasste Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro, fehlerhafte Angaben zu Entwicklungskosten sowie nicht gebuchte Wertminderungen im Segment Advanced Technologies. Für das Geschäftsjahr 2025 erwartet Gerresheimer nicht-zahlungswirksame Abschreibungen von 220 bis 240 Millionen Euro — vor allem auf Projekte der Sensile Medical AG und das Glaswerk in Chicago Heights, das Ende 2026 geschlossen wird.
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Kreditgeber geben Zeit, Prognose bleibt stehen
Die Finanzierungsseite ist vorerst gesichert. Schuldschein-Inhaber stimmten mit 96 Prozent des Gesamtvolumens einer Fristverlängerung bis zum 30. September 2026 zu, um den testierten Jahresabschluss einzureichen. Wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad sind bis zum dritten Quartal 2026 ausgesetzt.
Operativ hält das Unternehmen Kurs: Für 2026 peilt Gerresheimer Erlöse von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro an, eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent sowie einen moderat positiven freien Cashflow. Die bisherige Geschäftsentwicklung lag laut Unternehmensangaben im Rahmen der Erwartungen.
An der Börse spiegelt sich die Lage deutlich wider. Der Kurs liegt bei knapp 24 Euro — rund 63 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 64,40 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 14 Prozent verloren, über zwölf Monate sind es knapp 59 Prozent. Den testierten Jahresabschluss 2025 will Gerresheimer im Juni 2026 vorlegen, der Halbjahresbericht ist für den 14. Juli geplant. Ob der Centor-Verkauf bis dahin abgeschlossen ist, dürfte maßgeblich beeinflussen, wie Kreditgeber und Investoren die nächste Phase der Sanierung bewerten.
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