Drei offene Baustellen, eine Aktie im Erholungsmodus. Gerresheimer hat in wenigen Wochen mehr Nachrichtenfluss produziert als manch anderes Unternehmen in einem ganzen Jahr — und das Ende der Aufarbeitung ist noch nicht erreicht.
Kurs erholt sich, Bilanzfragen bleiben
Der Schlusskurs vom Freitag liegt bei 27,32 Euro, rund 75 Prozent über dem Februar-Tief von 15,57 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen hat die Aktie gut 53 Prozent zugelegt. Wer vor zwölf Monaten einstieg, sitzt dennoch auf einem Verlust von fast 55 Prozent.
Der Grund für den langen Schatten: Gerresheimer hat Umsätze falsch erfasst. Konkret geht es um sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen — Waren wurden Kunden in Rechnung gestellt, aber nicht geliefert. Eine Anwaltskanzlei bestätigte Verstöße gegen IFRS-Standards. Betroffen sind 35 Millionen Euro falsch gebuchter Umsätze und 24 Millionen Euro bereinigtes operatives Ergebnis, das nie hätte verbucht werden dürfen. Die BaFin hat zwei formelle Untersuchungen eröffnet — zu möglicherweise falsch ausgewiesenen Leasingverbindlichkeiten über 65,5 Millionen Euro sowie zu aktivierten Entwicklungskosten mit falschen Nutzungsdauern.
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Eine zweite Prüfungsgesellschaft untersucht die Bilanzierungspraktiken der Geschäftsjahre 2024 und 2025. Den testierten Jahresabschluss will Gerresheimer im Juni vorlegen — erst danach kann auch ein neuer Hauptversammlungstermin festgesetzt werden. Der ursprünglich geplante Termin am 3. Juni ist gestrichen.
Aktivist erhöht Druck
Kurz vor dem Wochenende meldete Active Ownership eine neue Beteiligungsschwelle. Der Luxemburger Investor hält nun gemeinsam mit verbundenen Vehikeln 15,19 Prozent an Gerresheimer, nach zuvor 14,70 Prozent. Der direkte Stimmrechtsanteil stieg auf 12,01 Prozent.
Das ist mehr als eine Pflichtmitteilung. Auf der noch zu terminierenden Hauptversammlung stehen vier Aufsichtsratsmandate auf der Kapitalseite zur Wahl — darunter die Kandidatur von Klaus Röhrig, Mitgründer von Active Ownership. Je größer der Anteil, desto mehr Gewicht hat der Aktivist bei dieser Abstimmung.
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Centor-Verkauf und Finanzierung
Parallel läuft der Verkaufsprozess für die US-Tochter Centor, die Ende 2024 mit 292 Millionen Euro bewertet wurde. Morgan Stanley begleitet den Prozess, der laut Gerresheimer mit einer zweistelligen Anzahl von Interessenten gestartet ist. Der Vollzug soll noch in diesem Jahr erfolgen.
Auf der Finanzierungsseite hat Gerresheimer Luft verschafft: 96 Prozent der Gläubiger, die 870 Millionen Euro an Schuldscheindarlehen halten, stimmten einer Laufzeitverlängerung bis Ende September zu. Finanzkennzahlen-Tests sind vorübergehend ausgesetzt.
An der Jahresprognose hält das Unternehmen fest: Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro, eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent. Der Halbjahresbericht folgt am 14. Juli 2026 — vorausgesetzt, der testierte Jahresabschluss erscheint wie geplant im Juni.
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