Der SDAX-Ausschluss ist vollzogen, die BaFin weitet ihre Prüfung aus, und Gerresheimer verkauft seinen profitabelsten Unternehmensteil. Der Pharmazulieferer steckt mitten in einer Restrukturierung, bei der jede neue Entwicklung die nächste Baustelle offenbart.
Centor-Verkauf als zweischneidiges Schwert
Das Herzstück der Neuaufstellung ist der geplante Verkauf der US-Tochter Centor Inc. — eines führenden Anbieters von Verpackungssystemen für verschreibungspflichtige Medikamente. Morgan Stanley wurde als begleitende Investmentbank mandatiert. Centor stand Ende 2024 mit 292 Millionen Euro in den Büchern und gilt als eines der margenstärksten Segmente des Konzerns.
Genau das macht den Schritt heikel. Ein Verkauf würde zwar dringend benötigtes Kapital freisetzen, gleichzeitig aber die ohnehin gesunkene Profitabilität des Gesamtkonzerns weiter belasten. Gerresheimer plant, die Transaktion noch im laufenden Jahr abzuschließen — das starke Käuferinteresse stimmt das Management offenbar zuversichtlich.
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BaFin, Wertminderungen, Kreditgespräche
Der Hintergrund des Verkaufs liegt in einer anhaltenden Bilanzkrise. Eine unabhängige Anwaltskanzlei stellte fest, dass Umsätze aus sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen systematisch zu früh erfasst wurden — ein klarer Verstoß gegen IFRS-Vorschriften. Die BaFin hatte bereits im September 2025 eine Anlassprüfung eingeleitet und diese Anfang März 2026 ausgeweitet. Neben KPMG prüft nun auch Grant Thornton die Abschlüsse der Jahre 2024 und 2025.
Parallel erwartet Gerresheimer nicht-zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, die vor allem Technologieprojekte der Sensile Medical AG sowie das Moulded-Glass-Werk in Chicago Heights betreffen. Letzteres wird zum Ende des Geschäftsjahres 2026 geschlossen, das Geschäft auf Werke in Italien und Indien verlagert.
Hinzu kommt Druck von der Finanzierungsseite: Die verzögerte Bilanzvorlage verletzt Pflichten aus bestehenden Finanzierungsverträgen. Gespräche mit Kreditgebern über Fristverlängerungen laufen — scheitern diese, könnten Banken vertragliche Rechte geltend machen.
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Gespaltene Reaktion der Investoren
Auf der Aktionärsseite zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Der Aktionärsschutzverband DSW hat ein Gutachten zur Verantwortlichkeit ehemaliger Führungskräfte eingeholt und prüft Schadensersatzansprüche gegen Ex-CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner. Gleichzeitig haben der CastleKnight Master Fund und die Deka Investment auf dem gedrückten Kursniveau neue Beteiligungen angemeldet — ein Zeichen, dass manche Investoren das aktuelle Niveau als Einstiegsgelegenheit werten.
Spekulativen Auftrieb liefern Berichte, wonach Silgan an einer Offerte von über 40 Euro je Aktie arbeiten soll — ein Aufschlag von rund 80 Prozent auf den jüngsten Kurs. Ein formelles Angebot liegt bislang nicht vor.
Für 2026 stellt Gerresheimer einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent in Aussicht. Wie belastbar diese Prognose ist, lässt sich erst beurteilen, wenn der testierte Jahresabschluss im Juni 2026 vorliegt — zusammen mit dem Ausgang der laufenden Kreditgespräche und dem Ergebnis der BaFin-Verfahren die entscheidenden Wegmarken für die weitere Entwicklung.
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