Kein Quartalsbericht, keine Hauptversammlung, kein testierter Jahresabschluss — und ein Kurs, der seit 2023 über 80 Prozent seines Wertes verloren hat. Für Gerresheimer läuft gerade alles auf einen einzigen Termin zu: Juni 2026.
Bilanzfehler mit Folgen
Der Ursprung der Krise liegt in systematischen Verstößen gegen IFRS-Vorschriften. Gerresheimer hatte Umsätze aus sogenannten Bill-and-Hold-Geschäften zu früh gebucht — Waren wurden in Rechnung gestellt, aber erst später ausgeliefert. Eine unabhängige Anwaltskanzlei bestätigte die Fehler. Das Ausmaß: 35 Millionen Euro falsch verbuchter Umsatz im Jahr 2024, eine Korrektur beim bereinigten EBITDA von 24 Millionen Euro, dazu geplante Wertberichtigungen von 220 bis 240 Millionen Euro.
Pikant ist dabei die Rolle von KPMG. Die Wirtschaftsprüfer hatten erst 2024 den bisherigen Prüfer Deloitte abgelöst — und anschließend den fehlerbehafteten Abschluss uneingeschränkt testiert. Nun hat die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?
Kreditgeber warten
Weil der testierte Abschluss fehlt, verletzt Gerresheimer vertraglich zugesicherte Reporting-Pflichten. Das Unternehmen befindet sich damit in technischem Verzug gegenüber seinen Kreditgebern und verhandelt über Fristverlängerungen, um eine Kündigung der Kreditlinien zu verhindern.
Der Konzern versucht währenddessen, Spielraum zu schaffen. Morgan Stanley ist mandatiert, die US-Tochter Centor — Ende 2024 mit 292 Millionen Euro bilanziert — noch in diesem Jahr zu verkaufen. Das Moulded-Glass-Werk in Chicago wird geschlossen, die Produktion nach Italien und Indien verlagert.
Kurs auf Mehrjahrestief, erste Käufer melden sich
Die Aktie notiert bei 17,44 Euro — ein Minus von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr, rund 73 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 64,40 Euro. Der RSI von 25,6 signalisiert eine technisch überverkaufte Lage. Der SDAX-Abstieg hat den Druck verschärft: Indexfonds, die den SDAX abbilden, waren zum Verkauf gezwungen.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?
Trotzdem tauchen erste institutionelle Käufer auf. CastleKnight und Deka Investment meldeten zuletzt neue Beteiligungen — ein Zeichen, dass manche das aktuelle Kursniveau als Einstiegsgelegenheit sehen.
Im Finanzkalender stehen noch der Halbjahresbericht am 14. Juli und das Q3-Statement am 15. Oktober. Der Q1-Bericht und die Hauptversammlung hingegen haben kein neues Datum.
Der testierte Jahresabschluss 2025 muss voraussichtlich im Juni vorliegen — er ist die Grundlage für die finale Verlängerung der Bankkredite und die Bestätigung der Umsatzprognose von bis zu 2,4 Milliarden Euro. Gelingt das nicht, wird der Verhandlungsspielraum mit den Kreditgebern erheblich enger. Für Aktionäre ist der Juni damit der einzige Fixpunkt, an dem sich der weitere Weg des Unternehmens entscheiden wird.
Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 15. April liefert die Antwort:
Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...


