Gerresheimer Aktie: APAS nimmt KPMG ins Visier

APAS leitet Verfahren gegen KPMG ein, DSW prüft Ansprüche gegen Ex-Vorstände. Frist für testierten Abschluss bis September.

Gerresheimer Aktie
Kurz & knapp:
  • Berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG
  • DSW prüft Verantwortlichkeit ehemaliger Führungskräfte
  • Aktionärsgruppe strebt Aufsichtsratsmandate an
  • Fristverlängerung für testierte Bilanz bis September

Der Bilanzskandal bei Gerresheimer weitet sich aus. Während der Pharmaverpackungshersteller auf das ausstehende Jahrestestat zusteuert, verschärfen Aufsichtsbehörden, Aktionärsschützer und ein aktivistischer Investor den Druck von mehreren Seiten.

APAS nimmt KPMG ins Visier

Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS hat ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet. Der Vorwurf: Die Wirtschaftsprüfer erteilten dem Jahresabschluss 2024 ein uneingeschränktes Testat — obwohl systematische IFRS-Verstöße vorlagen. Besonders brisant ist der Zeitpunkt: KPMG hatte erst 2024 Deloitte als Prüfer abgelöst und beglaubigte umgehend einen fehlerbehafteten Abschluss.

Kern des Problems sind fehlerhafte „Bill-and-Hold“-Buchungen. Gerresheimer stellte Kunden Waren in Rechnung und verbuchte den Umsatz, bevor die Lieferung erfolgte — ein klarer Verstoß gegen IFRS. Eine unabhängige Anwaltskanzlei bestätigte die Verstöße: Sie belasten 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA.

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Die BaFin hat darüber hinaus weitere Mängel identifiziert. Im Fokus stehen möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro, fehlerhafte Angaben zu aktivierten Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro sowie nicht erfasste Wertminderungen im Segment Advanced Technologies — dort stehen 196,5 Millionen Euro auf dem Spiel.

DSW prüft Ansprüche gegen Ex-Vorstand

Der Aktionärsschutzverband DSW hat ein Gutachten zur Verantwortlichkeit ehemaliger Vorstände und Aufsichtsräte eingeholt. Im Visier stehen Ex-CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner. DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler machte deutlich, dass mit zunehmender Klarheit über die Ansprüche ein Prozessfinanzierer wahrscheinlicher werde. Auch der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats gerät dabei in den Blick.

Parallel dazu hat die Investorengruppe Active Ownership eine WpHG-Absichtserklärung veröffentlicht. Die Gruppe hält 13,67 Prozent der Stimmrechte und strebt eine angemessene Repräsentation im Aufsichtsrat an. Innerhalb der nächsten zwölf Monate will sie weitere Stimmrechte erwerben — eine Einflussnahme auf die Vorstandsbesetzung schließt sie vorerst aus.

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Frist bis September — danach wird es eng

Auf der Finanzierungsseite hat sich Gerresheimer zuletzt Luft verschafft. Inhaber von Schuldscheindarlehen stimmten mit 96 Prozent einer Fristverlängerung zu: Die testierten Abschlüsse müssen nun erst bis zum 30. September 2026 vorliegen, wesentliche Covenants zum Verschuldungsgrad sind bis dahin ausgesetzt.

Läuft diese Frist ohne testierten Abschluss ab, entsteht akuter Druck auf der Finanzierungsseite. Das Management hält dennoch an seiner Prognose fest: Umsätze von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro, eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent und ein moderat positiver freier Cashflow. Allerdings steht die Prognose explizit unter dem Vorbehalt erfolgreicher Kreditverhandlungen und des Ausgangs der BaFin-Ermittlungen.

Die Aktie notierte am Montag zeitweise bei rund 27,30 Euro. Für viele institutionelle Investoren bleibt sie ohne testierten Abschluss schlicht nicht investierbar — der 30. September wird damit zur entscheidenden Wegmarke für den gesamten Prozess.

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