Die Gerresheimer-Aktie steckt in einer Vertrauenskrise – und die wird jetzt noch schlimmer. Am Mittwochabend teilte der Verpackungsspezialist mit, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ihre bereits laufende Prüfung massiv ausweitet. Zusätzlich zum Geschäftsjahr 2023/2024 nimmt die Behörde nun auch den verkürzten Konzernzwischenabschluss für den Zeitraum vom 1. Dezember 2024 bis zum 31. Mai 2025 unter die Lupe. Die Reaktion der Anleger ließ nicht auf sich warten: Die Aktie brach am Donnerstag im XETRA-Handel zeitweise um bis zu 20 Prozent auf 14,83 Euro ein. Damit nähert sich das Papier bedenklich dem Rekordtief aus der Finanzkrise 2009, als es nur 13 Euro kostete. Vom Rekordhoch bei 122,90 Euro im September 2023 sind mittlerweile fast 88 Prozent vernichtet.
Neue Zweifel an den Zahlen
Die BaFin hat ihre Prüfliste deutlich erweitert. Im Geschäftsjahr 2023/2024 stehen nun mögliche Leasing-Fehler im Fokus: Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro könnten falsch ausgewiesen oder im Anhang unzutreffend diskontiert worden sein. Auch die Nutzungsdauer von aktivierten Entwicklungskosten in Höhe von 29,4 Millionen Euro wird hinterfragt. Besonders brisant: Die Behörde prüft, ob eine Wertminderung der Vermögenswerte des Segments Advanced Technologies von 196,5 Millionen Euro bereits früher hätte erfolgen müssen.
Beim Halbjahresbericht 2025 konzentriert sich die BaFin auf das Risikomanagement und die Akquisition von Bormioli Pharma. Gerresheimer hatte die Risiken aus Akquisitionen, Desinvestitionen und Kooperationen sowie das Liquiditätsrisiko als gering eingestuft – unverändert zum Konzernabschluss 2024. Die Aufsicht sieht nun Anhaltspunkte, dass diese Risikoeinstufung nicht mehr angemessen war.
Bill-and-Hold bleibt auf der Agenda
Die bereits im September 2025 gestartete Prüfung zu den sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen wird fortgesetzt. Bei dieser Vertragskonstruktion stellt ein Unternehmen Ware in Rechnung, obwohl diese noch nicht an den Käufer übergeben wurde – etwa weil der Kunde die Lieferung aus logistischen Gründen später wünscht. Die Praxis ist legal, doch die Vorschriften für die Umsatzverbuchung sind streng. Die BaFin prüft nun auch im Halbjahresbericht 2025, ob entsprechende Umsätze bereits zum 31. Mai 2025 oder erst später hätten erfasst werden dürfen. Damit zusammenhängend steht auch die Bilanzierung von Vorräten zum Bilanzstichtag auf dem Prüfstand.
Gerresheimer hatte im Dezember 2025 angekündigt, die Buchungspraxis zu ändern, nachdem Verstöße von Mitarbeitern gegen interne Vorschriften und IFRS-Standards bekannt wurden. Allein in der Bilanz für 2024 seien 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA nicht richtig verbucht worden. Das Unternehmen betont, mit der BaFin weiterhin vollumfänglich zu kooperieren, um die Sachverhalte transparent zu klären. Doch das regulatorische Damoklesschwert über dem Konzern dürfte die Aktie vorerst weiter belasten.
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