Der Pharmaverpackungshersteller Gerresheimer steckt tief in der Krise. Per Ad-hoc-Meldung vom Dienstagabend gab das Unternehmen bekannt, dass der testierte Jahresabschluss 2025 nicht mehr fristgerecht bis Ende März vorgelegt werden kann. Die Konsequenzen sind weitreichend – und treffen das Unternehmen auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
SDAX-Ausschluss und eine Kettenreaktion
Der verpasste Abgabetermin hat unmittelbare Folgen: Gerresheimer verstößt damit gegen die Indexregeln der Deutschen Börse und verliert seine Mitgliedschaft im SDAX. Gleichzeitig muss die für den 3. Juni geplante Hauptversammlung verschoben werden. Auch die Q1-Zahlen, ursprünglich für den 16. April angekündigt, werden sich verzögern. Zusätzlich verhandelt das Unternehmen mit seinen Kreditgebern über eine Verlängerung der vertraglich vereinbarten Vorlagepflichten.
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Der Grund für die erneute Verschiebung liegt in der laufenden Aufarbeitung der Bilanzaffäre. Eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht die Umsatzerfassung und Bilanzierung für die Geschäftsjahre 2024 und 2025. Im Kern geht es um sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen – eine Praxis, bei der Umsätze bereits vor tatsächlicher Warenauslieferung gebucht werden. Nach bisherigen Erkenntnissen haben einzelne Mitarbeiter interne Richtlinien und Bilanzierungsvorschriften verletzt. Zusätzlich laufen zwei BaFin-Prüfungen, darunter eine Untersuchung der Zwischenabschlüsse von Dezember 2024 bis Mai 2025.
Abschreibungen, Margeneinbruch und der Centor-Verkauf
Die finanziellen Schäden sind erheblich. Für 2025 erwartet Gerresheimer Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, ausgelöst vor allem durch Entwicklungen bei der Schweizer Tochter Sensile Medical und dem US-Werk in Chicago. Die bereinigte EBITDA-Marge wird nun mit 16,5 bis 17,5 Prozent prognostiziert – deutlich unter dem zuvor angestrebten Korridor von 18,5 bis 19,0 Prozent. Beim bereinigten Gewinn je Aktie droht ein Rückgang im hohen zweistelligen Prozentbereich, ein Verlust ist nicht ausgeschlossen. Für 2024 wurden Umsatz und Gewinn bereits um 35 beziehungsweise 24 Millionen Euro nach unten korrigiert.
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Als Gegenmaßnahme hat das Management den Verkauf der US-Tochter Centor Inc. eingeleitet, begleitet von Morgan Stanley. Centor stand Ende 2024 mit 292 Millionen Euro in der Bilanz und gilt als margenstark – ein Verkauf könnte die ohnehin belastete Margenstruktur weiter schwächen. Das Werk in Chicago Heights soll zum Ende des Geschäftsjahres 2026 geschlossen werden.
Die Aktie spiegelt das Ausmaß der Krise wider: Seit dem 52-Wochen-Hoch von 82,00 Euro im März 2025 hat das Papier rund 80 Prozent an Wert verloren und notiert knapp über seinem Mehrjahrestief. Der RSI von 17,7 signalisiert eine extrem überverkaufte Lage – ob das eine Stabilisierung andeutet, hängt entscheidend davon ab, wann Gerresheimer eine belastbare, testierte Bilanz vorlegen kann. Angestrebt wird dies für Juni 2026. Für das laufende Jahr 2026 prognostiziert das Unternehmen immerhin einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und erwartet eine Erholung der Margen – allerdings erst ab dem zweiten Halbjahr.
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